International, Körperpflege

Im Çemberlitaş Hamamı: Das traditionelle türkische Bad

Gestern war das Wetter hier richtig schlecht: Es regnete den ganzen Tag. Es fielen sogar einige Schneeflocken. Genau das richtige Wetter, um in den Hamam zu gehen und ein türkisches Bad zu nehmen. Ich hatte mir den „Çemberlitaş Hamamı“ ausgesucht, der im Bazar-Viertel liegt.

Dieser ist zwar ziemlich touristisch, aber das Gebäude ist einfach toll. Es wurde vom berühmten Architekten Sinan entworfen, der von 1491-1588 lebte. Der Aufbau des türkischen Bads wurde von den römischen Bädern beeinflusst. Der „Çemberlitaş Hamamı“ ist in zwei Komplexe unterteilt, einer für die Frauen, der andere für die Männer.

Ich hatte Glück, dass mich eine Bekannte begleitete. Es macht viel mehr Spaß, wenn man während des Bads ausgiebig miteinander reden kann 🙂 .

Nach dem Bezahlen am Eingang bekamen wir einen rauen Handschuh (Kese) und einen Jeton überreicht, auf dem steht, welche Behandlung man gewählt hat. Ich nahm das traditionelle Bad für 55 TL (= 25 EUR).

Dann zogen wir uns um und haben alle Sachen in einen Schließkasten gesperrt. Bekleidet mit dem typischen karierten Hamam-Handtuch (Peştamal), einem schwarzen Slip und Gummi-Clogs ging es direkt los. Eine der netten Frauen führte uns an der Hand in den Hauptteil des Hamams, den Hararet. Die Luft im Dampfbad war atemberaubend, sehr warm und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch.

In der Mitte des großen Raumes befand sich die warme Marmorplatte, auf die wir uns zum Relaxen und Haut-Aufweichen legten. Das war vielleicht angenehm nach der Kälte und Nässe draußen 🙂 . Auf dem Rücken liegend bestaunte ich die schöne Kuppel des Hamams, in der durch runde und sternförmige Löcher ein weiches Licht in den Raum fiel.

Ich kam mir wirklich wie in einem Märchen aus Tausendundeine Nacht vor, auch wenn ich solche Klischees sonst nicht mag. Nachdem ich genügend aufgeweicht war, wurde ich von einer der Frauen mit meinem Handschuh abgerieben. Unglaublich, was da an toten Hautschüppchen von einem abgeschrubbt wird. Danach wird man von oben bis unten gründlich eingeseift. Die Seife wurde dabei mit Hilfe eines Schaumbeutels (Köpük Torbalı) schaumig gemacht und ließ sich dadurch leicht über den ganzen Körper verteilen. Die Füße, Arme und der Hals wurden dabei nicht vergessen.

Zum Abschluss wurden mir die Haare gewaschen, und ich komplett mit mehreren Eimern Wasser übergossen. Erst heiß, dann etwas kälter, damit die Poren sich schließen. So sauber hatte ich mich maximal nach stundenlangen Wannenbädern gefühlt 😉 . Der zitronige Duft der verwendeten Seifen und Shampoos erfüllte übrigens den ganzen Raum.

Trotz verschlossener Poren setzte ich mich dann noch ins Jacuzzi und wärmte mich nochmals auf. Als ich dachte, dass mein Kreislauf nun langsam genug hat 😉 , wechselten wir in den Soğukluk, den kalten Raum. Auf einem Bänkchen sitzend, eingewickelt in große Handtücher, kühlten wir uns langsam ab.

Zum Wasser und Tee trinken gingen wir in den nächsten Raum. Da wurde mir bewusst, dass ich keine Vorstellung mehr hatte, wieviel Zeit vergangen war. Ich musste erst ein bisschen zu mir kommen 😉 . Als ich wieder angezogen und mit trockenen Haaren auf mein Handy guckte, waren insgesamt 2,5 Stunden vergangen. Wir hatten uns aber auch ausgiebig Zeit gelassen, das kann man auch viel schneller durchziehen.

So, und jetzt noch ein paar Tipps: Es ist äußerst ungeschickt, mit vollem Makeup ins türkische Bad zu gehen. Ich habe einige Frauen mit Panda-Augen rumlaufen sehen. Brillen sind nicht so praktisch, da sie eigentlich ständig beschlagen sind und nass werden. Ich hatte in weiser Voraussicht meine Kontaktlinsen eingesetzt.

Körperliche Scheu ist auch nicht nötig. Die Atmosphäre ist sehr angenehm, und das milde Licht tut das Seine dazu. Die dort arbeitenden Frauen haben ein sehr pragmatisches Verhältnis zu all diesen Körpern, die sie täglich waschen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt – und bin kein FKK-Typ.

Der Preis ist natürlich schon hoch. Aber man bezahlt das schöne Gebäude von 1584 einfach mit. Außerdem ist es nun mal ein Hamam in einem sehr touristischen Stadtteil. Es werden übrigens auch Öl-Massagen, Gesichtsmasken und Maniküre angeboten.

Jetzt klinge ich bestimmt wie ein Reiseführer: Es war ein einzigartiges Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Richtig schön war, dass ich in Begleitung da war und dadurch beim Abkühlen nicht allein herum sitzen musste. Also am besten mit einer Freundin oder (neuen) Bekannten in ein türkisches Bad hingehen!

Übrigens gibt es am Ausgang auch einen kleinen Shop, in dem man die Handtücher, Seifen und auch die Schlüsselanhänger für die Schließfächer kaufen kann.

Adresse: Çemberlitaş Hamamı, Vezirhan Caddesi Nr. 8. Das Bad liegt direkt an der Tramway-Station „Çemberlitaş“ an der Konstantinssäule. Geöffnet jeden Tag von 6-24 Uhr.

Wart ihr auch schon mal in einem Hamam? Wie fandet ihr das türkische Bad? Geht ihr gerne in die Sauna oder in ein Spa?

Auch interessant:

Azulejo Português - Blau wie der Himmel und das Meer
Augenbrauen von O Boticário: Solução para sobrancelhas
Natura Siberica: Natural Siberian Foot Butter

Comments are disabled.

9 thoughts on “Im Çemberlitaş Hamamı: Das traditionelle türkische Bad
  • Kaddi sagt:

    in einem hamam war ich noch nie, aber ich gehe im winter gerne in die sauna. sehr schön hier in berlin sind das badeschiff (überdachtes floß auf der spree) und das stadtbad neukölln (neoklassizistischer bau, 7 verschiedene saunen). im mondscheintarif auch bezahlbar 🙂 etwas exklusiver ist das liquidrom, wo ich das publikum allerdings geschmackssache finde.

  • la pop sagt:

    In Hamburg gibt es mehrere Hamam. Ich war schon mal in dem in der Felstraße. Der ist zwar nicht so groß und toll verziert wie Du es aus Istanbul schilderst. Aber ein wenig orientalisches Flair kommt schon auf 🙂 Und ich finde es toll, wenn diese Bade- und Schönheitskultur auch verstärkt nach Deutschland kommt!
    Die Adresse: http://www.das-hamam.de

    • beautyjagd sagt:

      Ich habe gleich auf die Homepage geklickt und finde, dass der (oder das) Hamam auch sehr schön aussieht! Toll, dass es sowas in Deutschland gibt. Hoffenlich bin ich bald mal wieder in HH 🙂 !

  • keimonish sagt:

    Da hattest Du ja ein richtig tolles Wohlfühlerlebnis 🙂
    In Marokko war ich mal in einem Hamam. Ich war/bin aber auch ein begeisterter Saunagänger unter verschiedenen Gesichtspunkten gewesen (also verschiedenen Arten, wie Trockensauna,Dampfsauna, mit Aufgüssen und ohne u.s.w.) hab da verschiedenste schon kennen gelernt. Da aber in meiner Familie eine Venenschwäche verbretet ist, habe ich da seit meiner SS einige Abstriche gemacht, um vorzubeugen. Am besten gefällt mir, unter gesundheitlichem und Wohlfühlaspekt, ein Daunarium. Da war ich auch nahezu regelmäßig. Aber hier in meiner Stadt, seit ich umgezogen bin, hab ich noch keins gefunden:-/
    Scheu hab ich keine, bin seit frühester Kindheit auch schon immer am FKK gewesen. Aber: in der Sauna hab ich immer etwas Probleme mit Leuten die mich nur ein bisschen kennen. Die Leute müssen für mich entweder total fremd sein oder ich muss sie oder sie mich, richtig gut kennen (also Freunde oder Verwandte).
    Ich hab mal lange in einem Hochhaus gewohnt, da war unten eine Sauna, die für uns kostenlos war (bzw. in den Nebenkosten mit drin). DORT fand ich es aber richtig „komisch“, Handtücher hatte niemand um, es war auch eine gemischte Sauna. Durch meine Arbeit kannte man mich dort aber eben nicht SO GUT. Du weißt sicher, was ich damit meine………
    Und da bin ich nie hingegangen, was eigentlich ja blöd war, weil ich es ja mit bezahlt hatte. Da bin ich lieber dahin gegangen, wo mich niemand kannte :-(:-), eben ins Daunarium.
    lG

    • beautyjagd sagt:

      Wieder was gelernt 😉 . Ich wusste gar nicht, was ein Daunarium ist, musste das schnell googlen.
      Mir gehts übrigens genauso wie Dir, wenn ich die Leute in der Sauna/Dampfbad gar nicht kenne, dann hab ich auch überhaupt kein Problem. Aber ich habe keine Lust, Arbeitskollegen oder Nachbarn zu begegnen…

  • Andreea sagt:

    …ich liebe Sauna und vor allem Dampfbäder! Durch meine ziemlich schlimm aussehenden Haut bin ich lange nicht mehr da gewesen, ich mag so etwas lieber im 5* Hotel außerhalb der Saison/in der Woche, wo es relativ leer ist. Allerdings ist das mittlerweile sehr teuer geworden. Öffentliche Saunen und Spas mag ich nicht, habe Angst dass es schmutzig ist. Eine eigene Sauna wäre definitiv mein Traum 😉

  • […] Istanbul gibt. In historischen Gebäuden kann man traditionelle türkische Bäder nehmen (z.b. im Çemberlitaş Hamamı). Auch die großen Hotels haben mittlerweile alle Spas, in denen man sich verwöhnen lassen kann. […]

  • […] Lange Rede, kurzer Sinn: Ich kann nun sehr gut verstehen, weshalb die Finnen so verrückt nach der Sauna sind. Anders als in Deutschland geht man übrigens getrennt geschlechtlich saunieren, so waren auch wir Frauen unter uns. Die dadurch entstehende lockere Athmosphäre hat mir sehr gefallen: Es gab keinerlei Abchecken der Körper, sondern entspannte Gespräche untereinander – und das, obwohl wir ja alle eigentlich Geschäftspartnerinnen sind und uns nicht gut kannten. Ich empfand ein Gefühl von großer Verbundenheit, Nähe und Offenheit untereinander, ähnlich wie im Hamam in Istanbul. […]