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Make Up For Ever: Werbung ohne Retusche

Gestern Abend habe ich endlich die französische Marie-Claire durchgeblättert, die ich auf meinem Ausflug nach Belgien gekauft habe. Irgendwie bin ich noch gar nicht dazu gekommen, sie durchzulesen.

Dabei ist mir eine Anzeige von Make Up For Ever aufgefallen. Sie wirbt damit, die erste Kampagne für Make Up zu sein, die ohne Retusche der Fotos auskommt. Das erzeugt natürlich Aufmerksamkeit: Natürlichkeit als Gegentrend zur omnipräsenten Idealisierung von Models via Photoshop. Die Dove-Werbung mit normalen Frauen hat ein ähnliches Konzept.

Abgebildet ist ein gut ausgeleuchtetes Model, das sich gerade selbst mit einer kleinen Kamera aufnimmt. Am Schriftzug klebt ein kleines Sternchen, das die Aussage etwas einschränkt:

Da steht, dass es sich um die erste Make Up For Ever-Werbung handelt, die ohne Retuschierung auskommt (also nicht die erste Werbung für Make Up überhaupt) und dass dies sogar von einem Richter bestätigt wurde.

Wenn man dann eine Seite weiter blättert, folgt das Produkt, für das geworben wird:

Es handelt sich um die HD-Foundation von Make Up For Ever. In Frankreich wird sie (fast) exklusiv von Sephora vertrieben, weshalb die Anzeige auch von Sephora gesponsort ist. Zu der Foundation selbst habe ich hier schon etwas geschrieben. Meiner Meinung nach ist sie für Fotos gut geeignet, für den alltäglichen Gebrauch (wenn man ein natürliches Finish möchte) nur bedingt.

Die „No Retouching“-Kampagne von MUFE besteht aus vier Bildern mit jungen Frauen, die sich mit ausgestrecktem Arm selbst mit einer Kamera oder einem Handy fotografieren. Selbstverständlich sieht die Haut im Gesicht von allen vier Models makellos aus. Aber ein bisschen kann man doch sehen, dass die Fotos nicht retuschiert wurden. Der Arm des Models wirkt so knochig, dass er normalerweise sicher glattgezogen worden wäre.

Ich hoffe, dass sich zukünftig wieder mehr Fotos durchsetzen werden, die natürlicher wirken. Besonders negativ ist mir das bei der Werbung mit Vanessa Paradis für den „Rouge Coco Shine“ von Chanel aufgefallen. Ihre Naso-Labial-Falten waren vollkommen wegradiert, weshalb sie auf dem Bild für mich nicht mehr menschlich und damit unattraktiv wirkte.

Hattet ihr die „No Retouching“-Kampagne schon gesehen? Sie wurde schon Anfang März lanciert, in den USA noch früher. Verwendet ihr HD-Foundations? Und wie findet ihr die Idee zu der natürlicheren Werbung? Bearbeitet ihr eigentlich eure eigenen Fotos nach?

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6 thoughts on “Make Up For Ever: Werbung ohne Retusche
  • keimonish sagt:

    In meinem Nebenjob, verwenden die meisten Visagisten das Make Up For Ever aber mir fällt auf, dass für die HD-Technik, viel weniger Make up verwendet wird als bei herkömmlicher Technik, eben weil es schnell maskenhaft im Film oder auf dem Foto aussieht. Vllt. ist die Autragetechnik der Grund, warum sie dann nicht mehr retuschieren ? Privat verwende ich kein prof. HD Make up. Meine eigenen Foto`s retuschiere ich nicht, es sei denn, ich will eins im Internet als Avatar verwenden, dann verfremde ich sie. 🙂

    • beautyjagd sagt:

      Kann ich mir sehr gut vorstellen, dass bei HD-Technik weniger Makeup aufgetragen wird, es soll ja nicht zu maskenhaft aussehen. Danke für deine Insider-Info 🙂 !

  • Jana sagt:

    Ich bin mit dir einer Meinung, dass Vanessa auf dem Foto schrecklich künstlich aussieht. Ob sie der Retouche zugesagt hat, als sie sie sah?

  • Mercury sagt:

    Mal eine nette Idee. Aber ich bin so intelligent, um zu schlufffolgern, dass die Frauengesichter auf den Makeupreklamen immer glattgezogen wurden, wenn ich so eine Reklame sehe. Ich kaufe das Makeup ja auch nicht, weil irgendeine Reklame gut aussieht, sondern weil ich das Makeup in mein Gesicht klatschen will, das ganz anders aussieht als von der Blondine, die da dann meistens drauf ist.
    Daher wünsche ich mir auch weiterhin die perfekten Gesichter, weil sie halt für mich keinen kaufwert, sondern nur einen schön anguckwert haben. Da will ich doch den schöneren Wert. Und meistens ist das nunmal das bearbeitete Bild, da kann man nichts machen.

    „Normale Frauen“ fand ich das bei Dove nicht. Ich fand die alle etwas moppelig, genau so wie ich nicht aussehen will und auch nicht aussehe. Für mich eine klare Antiwerbung.

    Und ja, auch meine Fotos bearbeite ich nach. Aber ich halte mich da meistens aus Faulheit zurück und mach nur akneflecken unsichtbar. Sollen andere doch vor ekel sterben, wenn sie meine fotos sehen *ggg* aber das werden sie wohl nicht, denn unter meinem makeup kann man mich sowieso nicht mehr sehen.
    Wobei, letztens trug ich eine Foundation auf und bekam danach zu hören, dass ich ja doch gar keine gummimaske aufgetragen hätte, sondern nur etwas farbausgeglichener aussähe. das wäre anders erwartet worden. Und schon zigfach anders gesehen worden.

    • beautyjagd sagt:

      🙂 ich nehme einfach mal an, dass Du nicht besonders durchschnittlich aussiehst 😉
      „Normal“ ist ja immer etwas schwierig zu definieren, aber wenn ich mich auf der Straße umgucke, sehen die Frauen eigentlich schon aus wie auf der Dove-Werbung. Aber es kommt eben drauf an, was man von Werbung erwartet. Wenn man ein bisschen träumen möchte, sind „normale“ Frauen natürlich nicht so geeignet.
      Wenn Bilder aber z.B. so über-perfektioniert werden, dass die fast unmenschlich wirken (wie z.B. Vanessa Paradis bei Chanel), hält mich das auch wieder vom Träumen ab.