Duft, High End

Maître Parfumeur et Gantier: Jasmin

Zwei Düfte meiner Testreihe stammen von Maître Parfumeur et Gantier. Da es mir heute nicht heiß genug für den „Jardin du Néroli“ war, habe ich lieber den nach der Pflanze selbst benannten Duft „Jasmin“ ausprobiert. An kühlen Sommertagen mag ich es gerne etwas floraler, reine Zitrusdüfte sind mir dann zu leicht.

Jasmin-Plantagen bei Fes in Marokko waren die Inspiration für den Duft „Jasmin“. Nicht nur in Marokko, sondern in ganz Nordafrika wird Jasmin angebaut. So kam es nicht von ungefähr zu dem Wort Jasminrevolution, schließlich gilt der Jasmin auch als die Nationalblume Tunesiens. In „Jasmin“ wurden drei verschiedene Jasmin-Arten eingesetzt, die aus Italien, Indien und Marokko kommen.

Das Parfümhaus Maître Parfumeur et Gantier wurde Ende der 80er Jahre von Jean Laporte gegründet. Dieser hatte zuvor erfolgreich die Firma L’Artisan Parfumeur aufgebaut und suchte nun nach einer neuen Herausforderung. Mit Maître Parfumeur et Gantier nahm er eine Idee des 17. Jahrhunderts auf. Damals waren die Handschuhmacher (Gantier) zugleich auch die Hersteller von Parfüms.

Noch heute kann man in der barock eingerichteten Pariser Boutique von Maître Parfumeur et Gantier Handschuhe aus Leder kaufen. Seit 1997 hat Jean-Paul Millet Lage das Haus übernommen. Ursprünglich war er ein Banker, der seine Leidenschaft für Düfte schließlich zum Beruf machte und vier Jahre bei Jean Laporte in die Lehre ging.

Die Damendüfte von Maître Parfumeur et Gantier sind in vier Linien aufgeteilt. „Jasmin“, der 1988 entstand, gehört zur Kollektion „Les Fleurs Divines“. In dieser Reihe befinden sich z.B. auch „Fleur d’Iris“ oder „Tubéreuse“.

Die Eröffnung von „Jasmin“ kommt für mich überraschend. Direkt nach dem Aufsprühen riecht „Jasmin“ aldehydig und grün. Dazu nehme ich hoch konzentrierte Blüten wahr, die stechend und auch süß sind. Wer einen luftigen Jasminduft erwartet hat, wird (vorerst) ziemlich enttäuscht sein.

Nach ungefähr zehn Minuten setzt sich der blumige Duft des Jasmins stärker durch. Noch immer ist die Intensität hoch und der Jasmin wirkt betörend. Vielleicht kann man auch einen Hauch Rose erahnen. Ebenso dominant wie der Jasmin ist jedoch eine Chypre-Komponente, die dem Duft für meine Nase eine etwas altmodische Anmutung verleiht. Ich fühle mich an Düfte aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert.

Durch diesen zusätzlichen Akkord wird der Jasmin in keiner Phase zu vordergründig. Da er in dieses Gerüst eingebunden ist, wirkt der Duft des Jasmins aber weder natürlich noch leicht. Ich stehe nicht vor einem blühenden Jasminbusch, durch den die warme Sommerluft weht, sondern ich habe ein intensiv duftendes Elixier vor mir.

Nach einer Weile wird der Duft weicher und auch der Jasmin zarter. Das Eichenmoos (das wahrscheinlich die Chypre-Assoziation bei mir auslöst) verwebt sich immer mehr mit dem Jasmin. Eine neue Dimension kommt aber nicht mehr hinzu. Der zarte Duftschleier hält sich über Stunden.

Letztendlich würde ich den Duft als sinnlich, warm und auch intensiv-floral beschreiben. Auf mich wirkt „Jasmin“ wie ein Parfüm, das bewusst auf Retro macht. Dank der Chypre-Noten geht es aber nicht zurück ins 17. Jahrhundert, sondern in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Hier noch die offiziellen Duftnoten, die ich der Homepage von „Aus Liebe zum Duft“ entnommen habe:

  • Kopfnote: Jasmin
  • Herznote: Jasmin, Rose
  • Basisnote: Moos, Moschus

Die Inhaltsstoffe konnte ich leider nicht finden, da ich den Originalflakon nicht besitze.

Erhältlich ist „Jasmin“ ausschließlich in ausgewählten Parfümerien wie z.B. der Parfümerie Wigger in Dortmund und online bei Aus Liebe zum Duft. Ein Flakon mit 100 ml kostet 130 EUR.

Der erste Duft meiner Testreihe war „Côte d’Amour“ von L’Artisan Parfumeur, der zweite „Hyperessence Matale No. 12″ von der Parfumerie Générale.

Mein Fazit: Auf meiner Haut entwickelt sich „Jasmin“ zu einem floralen Chypre-Duft. Der Jasmin ist so konzentriert, dass ich keine blühenden Büsche vor Augen habe. Ich muss  an eine etwas exzentrische und verführerische Frau denken, die gern den Stil der 20er oder 50er Jahre des 20. Jahrhunderts pflegt. So einen Duft trage ich nur abends – und ingesamt ist mir der Duft etwas zu wenig vielschichtig.

Mögt ihr Jasmin? Kennt ihr diesen Duft (oder einen anderen dieser Reihe)? Welchen Jasmin-Duft könnt ihr mir empfehlen? Wie verführerisch darf euer Tagesduft sein?

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10 thoughts on “Maître Parfumeur et Gantier: Jasmin
  • Was ich jetzt nicht rauslesen konnte und auch bisher nirgends gefunden habe: sind das nun Naturparfums?

    Wäre super, wenn Du mich erleuchten könntest 🙂

    Liebe Grüße aus Mainz
    Die Naturdrogerie

    • beautyjagd sagt:

      Dieser hier ist kein reiner Naturduft, sonst hätte ich es dazu geschrieben. Der erste Duft aus meiner Test-Reihe „Côte d’Amour“ ist von Ecocert zertifiziert. „Hyperessence Matale“ arbeitet laut Angaben mit ätherischen Ölen aus biologischer Gewinnung. Aber ich denke mir, dass zusätzlich doch synthetische Verbindungen zum Einsatz kommen, sonst wäre sicher gesagt worden, dass es sich um einen natürlichen Duft handelt.
      Aber ich stelle noch Düfte von Honoré des Pres und The Different Company vor, die beiden Firmen arbeiten ausschließlich mit ätherischen Ölen.
      Liebe Grüße 🙂

      • Danke für die Antwort 🙂

        Honoré des Pres habe ich mir schon mal angeschaut und mit dem deutschen Importeur Kontakt aufgenommen. Mal schauen, ob ich was zum „Proberiechen“ bekomme. Ich bin natürlich auch schon auf Deine Berichte gespannt!

        Jasmin-Parfums sind immer so eine Sache. Florascent Jasmine ist schon sehr schön und ein leichtes Sommer-Parfum (floral, Sommer-Wind-Feeling, leicht süß). Aber irgendwie kommt bei mir nicht so das Jasmin-Gefühl auf wie bei reinem Jasmin Sambac. Wahrscheinlich liegt das (wie bei Dir auch) an der Erwartungshaltung 😉

        Viele Grüße aus Mainz
        Die Naturdrogerie

      • beautyjagd sagt:

        Jasmine von Florascent habe ich auch, weil ich Jasmin-Düfte sehr mag. Aber irgendwie werde ich mit dem auch nicht so richtig warm, da ist irgendwas dabei, was mir nicht so gefällt. Mein Fläschchen Jasmin Absolue von Primavera befriedigt mich eigentlich am meisten, wenn ich es richtig brauche 🙂 . Von der Bahnhofsapotheke Kempten habe ich ein Fläschchen Jojobaöl mit 10% Jasmin, das ist sehr praktisch für Zwischendurch. Aber es stimmt schon, ich habe bei Jasmin eine Vorstellung, die in Parfüms nicht so einfach einzufangen ist 🙂 .

      • @beautyjagd Mein Favorit ist Jasminum von aman prana. Da habe ich wirklich das Gefühl, dass ich in einem Jasminstrauch stehe 🙂

        Die verschiedenen Jasmin-Varianten bei Primavera sind natürlich aus super.

        Liebe Grüße aus Mainz
        Die Naturdrogerie

      • beautyjagd sagt:

        Stimmt, der Geruch des Öls (und auch das Öl an und für sich) ist ganz toll! Gut, dass du mich daran erinnerst 😉 . Liebe Grüße

  • Jana sagt:

    Ich habe „Voile de Jasmin“ von Bulgari. Dieser Duft ist sehr leicht, langanhaltend und erzeugt dieses Jasminbusch-im-Sommerwind-Gefühl. Das Parfum ist floral von vorne bis hinten, eine leichte Süße schwingt mit. Am liebsten mag ich diesen Duft auf meinem Dekolleté nach ein paar Stunden Tragezeit, weil er dann eine blumige Wärme entwickelt hat.

    • beautyjagd sagt:

      Den habe ich auch schon mal geschnuppert! Muss ich mal wieder machen, weil so richtig habe ich ihn nicht mehr „vor der Nase“ 🙂 .

  • Aorta sagt:

    Kein soli-floraler Duft, aber doch hübsch und mit deutlicher Jasminnote: „Songes“ von Annick Goutal. Durch Zufall habe ich herausgefunden, dass er besonders gut riecht, wenn man darunter eine dünne Schicht vom festen Lush-Parfüm („American Cream“) aufträgt – bin mir aber nicht sicher, ob das noch im Sortiment ist. Jedenfalls habe ich mit dieser Kombination ein extrem tristes Seminar im Winter vor einigen Jahren überlebt, indem ich immer mal wieder dezent an mir herumschnüffelte und in Tagträumereien über tropische Sandstrände verfiel :-).

    Vor langer Zeit hatte ich mal das Jasmin Absolue von Primavera. Das hab‘ ich dann mit Mandelöl verdünnt und als Parfüm getragen – himmlisch!

    Für mich muss ein Tagesduft nicht unbedingt aus der Kategorie „leicht, frisch und clean“ sein – schlichtweg deshalb, weil solche Düfte ohnehin meist nicht zu mir passen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Zumindest klassisch-feminin darf’s also für mich grundsätzlich sein (ein Bekannter nannte das mal zwinkernd „madamig“). Zuweilen trage ich auch tagsüber gerne „dunkle“ Kompositionen, die ich dann aber extrem dezent dosiere. Es kommt natürlich auch darauf an, was ich an dem Tag so vorhabe und wen ich treffen werde. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Und welche Kleidung ich tragen werde. Und welche Laune ich habe… ähem, ich höre an dieser Stelle besser auf, noch weitere Faktoren aufzuzählen ;-).

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