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Berufe in der Naturkosmetik-Branche 3: Selbstständige Herstellerin

Im dritten Teil meiner Blogserie „Berufe in der Naturkosmetikbranche“ möchte ich euch eine selbstständige Herstellerin von Naturkosmetik vorstellen, die ihre Produkte in ihrem Shop verkauft. Die 43jährige Dietlind Meyhöfer aus Darmstadt, besser bekannt unter dem Namen Waldfussel, war so nett, meine Fragen zu ihrem Werdegang und ihrer Tätigkeit zu beantworten.

1. Wie bist Du dazu gekommen, Naturkosmetik herzustellen?

Eine Reihe verschiedener Zufälle haben mich zur Seife und Naturkosmetik geführt. Nach der Geburt meines Sohnes suchte ich nach anderen Eltern, mit denen man gemeinsam etwas unternehmen kann. Über die Mitarbeit an der Informationsseite www.familien-willkommen.de kam ich zum Bund für Umwelt und Naturschutz e.V., der zu diesem Zeitpunkt neue Betreuer für eine Kindergruppe suchte. Ich meldete mich und stieß bei der Themensuche für die Gruppentreffen auf eine Internet-Seite über Seifenherstellung.

Schon beim Lesen der Infoseite war es um mich geschehen. Ich las und las und las alles über den Siedevorgang, die verschiedenen Zutaten und ihre Wirkung, über die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten wie Marmorieren oder Schichten, es ließ mich nicht mehr los. Jede freie Minute dachte ich nur noch an Seife. Welche Farbe bekommt wohl eine Seife mit Gemüsesaft? Sind gemahlene Kräuter in Seife zu kratzig? Wie fühlt sich eine pure Olivenseife im Vergleich zu einer Kokosseife auf der Haut an?

Lindern ließ sich dieses Gedankengewirr nur, indem ich immer wieder siedete, jede Idee umsetzte, um die Antwort zu erfahren. Im Austausch mit anderen Siederinnen entstanden neue Ideen und gemeinsame Projekte. Und der Seifenberg in meinem Regal wuchs und wuchs. Die einzige Möglichkeit, unser Haus davor zu bewahren, unter Seife begraben zu werden war, die Seife zu verschenken. Also wurde zunächst die Familie und sehr bald auch unser gesamter Bekanntenkreis mit Seife beglückt. Nach den zahlreichen begeisterten Rückmeldungen wurde mir nach und nach klar – das würde ich gern beruflich machen.

Im Mai 2007 war es dann endlich soweit, ich durfte meinen KundInnen Seifen und Badepralinen anbieten. Im Laufe der Jahre kamen und kommen immer wieder neue Variationen und neue Produkte hinzu, so dass es weder für mich noch für meine KundInnen langweilig wird.

2. Welches Aufgabengebiet hast du?

Ich bin in meinem Unternehmen zwangsläufig „Mädchen für alles“, da ich keine Mitarbeiter beschäftige.

Das heißt, ich decke alle Arbeitsbereiche ab  – wie z.B. Rezepterstellung, Produkttests, Recherche Rohstoffe/Verpackungen, Einkauf Rohstoffe/Verpackungen, Chargendokumentation, Meldung der Rezepte, Herstellung, Bearbeitung und Deklaration aller Produkte, Erstellung Produktfotos und -texte für den Shop, Aktualisierung des Shops, Newsletter, Bestellabwicklung, Kundenbetreuung, Büro/Buchführung und natürlich auch Aufräumen oder Putzen.

3. Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Dir aus?

Meine Arbeitstage sind alle sehr unterschiedlich und abwechslungsreich. Was mir einerseits gefällt – es wird nie langweilig. Was einem andererseits richtig viel Flexibilität abverlangt und ein hohes Maß an Konzentration voraussetzt.

Es gibt also keinen wirklich typischen Arbeitstag, aber so könnte einer z.B. aussehen:

Seifenküche lüften und Mails abrufen. Kurz checken, ob eilige Mails dabei sind und diese bearbeiten. Lauge anrühren, Fette abwiegen und schmelzen, Öle abwiegen, andere Zutaten und Düfte abwiegen. Formen vorbereiten während Lauge und Fette abkühlen. Chargennummern der verwendeten Zutaten ins Rezept eintragen. Seife sieden und abfüllen. Alle verwendeten Behälter grob vorreinigen. Dann späte Mittagspause (wenn ich mir eine gönne).

Nach der Pause Mails bearbeiten, Bestellungen ausdrucken und gegebenenfalls beantworten. Lieferungen packen, Zahlungseingang überprüfen, säumige Zahler anmahnen und alle bezahlten Lieferungen zur Post bringen. Beim Packen der Lieferungen ergeben sich dann evtl. noch zusätzliche Arbeiten wie z.B. das Schneiden von Viertele oder das Ausdrucken neuer Deklarationsetiketten. Wenn Wiederverkäuferbestellungen eingegangen sind, hier noch Auftragsbestätigungen schreiben.

 4. Was macht dir an deinem Beruf besonders Spaß und was weniger?

Das Erstellen und Testen neuer Rezepte ist immer noch etwas ganz Besonderes für mich. Das Erschaffen eines „ganz neuen“ Produktes macht definitiv am meisten Spaß  – und auch am meisten Arbeit. Eigentlich gefallen mir mir aber auch alle anderen Tätigkeiten.

Was einem den Spaß etwas verdirbt, ist das ständige Arbeiten unter enormem Zeitdruck, damit sich die Arbeit wenigstens ansatzweise lohnt. Und der Bürokram, der mit der Kosmetikverordnung zusammenhängt, die Chargendokumentation oder die Meldungen sind etwas nervig, aber eben nötig.

5. Was magst Du an der NK-Branche? Was nicht?

Naturkosmetik ist für mich das einzige, was ich vertreten kann, auch wenn ich mir kein Naturkosmetiksiegel leisten kann. Allerdings finde ich es schade, dass in „Naturkosmetik“ teilweise noch reichlich synthetische Duftstoffe verwendet werden. Noch schlimmer ist es, dass einige Firmen vom Image her wie Naturkosmetik wahrgenommen werden, obwohl sie ganz normale konventionelle Kosmetik herstellen.

6. Was ist dein ganz persönliches Lieblingsprodukt?

Das ist natürlich eine schwierige Frage. Am spannendsten sind für mich immer die neuesten Produkte. Zurzeit ist das die Deocreme (verschiedene Duftrichtungen), die ich selbst schon seit Jahren ausschließlich verwende, und jetzt endlich auch meinen KundInnen anbieten kann.

All-Time-Favourits sind allerdings meine Salzseifen, die mich damals von ihrer Wirkung her so fasziniert haben, dass ich mich getraut habe, mich mit meinen Seifen selbstständig zu machen – und die auch fast alle KundInnen überzeugen und begeistern.

Vielen Dank für das Interview!

Die bisherigen Teile meiner Blogserie: Einkäuferin bei Primavera und Produktmanagerin bei Dr. Hauschka.

War dieser Einblick in die selbstständige Tätigkeit von Waldfussel interessant für euch? Wäre das auch was für euch? Und kennt ihr Produkte von Waldfussel?

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22 thoughts on “Berufe in der Naturkosmetik-Branche 3: Selbstständige Herstellerin
  • Rea sagt:

    Hach, das ist spannend! Für mich wäre das gar nichts, denn mit Zeitdruck komme ich nur schlecht klar, aber ich beneide ja Shopinhaberinnen wie Waldfussel. Es ist glaub ich ein unfassbar tolles Gefühl, etwas selbst herzustellen und zu verkaufen. 🙂

    • beautyjagd sagt:

      Ja, Produkte ganz nach den eigenen Wünschen entwickeln und herstellen zu können, das stelle ich mir auch traumhaft vor 🙂

      • Angie sagt:

        Da kann ich Euch nur zustimmen. Wirklich eigene Produkte zu verkaufen ist definitiv ein Traum. Gleichzeitig ist es aber keineswegs einfach. Deswegen bewundere ich Frauen wie die Waldfussel Inhaberin, die es tatsächlich schaffen, diesen Traum zu leben.

        Übrigens habe ich noch nie von Waldfussel gehört und werde mir den Shop auf jeden Fall mal angucken. Vielleicht überzeugt mich das eine oder andere zum Kauf. 😉

        Liebe Grüsse,
        Angie

      • beautyjagd sagt:

        Ich habe auch großen Respekt vor dem professionellen Herstellen von Kosmetik. Allein was man alles beachten (Kosmetikverordnung etc) und dokumentieren muss…. aber dafür hat man dann seine eigenen Produkte 🙂 .

  • Jana sagt:

    Ich finde die Einblicke in jeden Job dieser Sparte super spannend! Der Alltag einer Siederin ist bestimmt gleichzeitig schön und anstrengend. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Formalitäten usw. nervig und zeitraubend sind.

    Die Salzseife mit Rose hatte ich übrigens auch mal und fand sie super!

    • beautyjagd sagt:

      Ich habe mir ja ein kleines Stück der Sheabuttersalzseife gekauft, weil ja einige Bloggerinnen davon schwärmen. Ich bin gespannt!

  • Birgit sagt:

    Oh wie schön, du hast Fussel interviewt, tolle, sympathische Frau. Sie hat wirklich wundervolle Seifen und die Deocremes sind auch spitzenmäßig.
    Ich war gerade eine Woche im internetfreinen Urlaub und es war teilweise so warm, dass mir das Wasser nur so runtergelaufen ist, aber Fussels Deo hat mich sicher vorm Müffeln bewahrt.
    Nächste Woche fahre ich einen Tag in den Odenwald und auf dem Rückweg werde ich bei Fussel wieder mal ein paar Seifen holen, nicht das ich keine mehr hätte. Aber ich steh zu meiner Seifensucht.
    Was habe ich mich heute gefreut wieder soviel interessantes von dir lesen zu können. Neroli liebe ich übrigens auch.

    • beautyjagd sagt:

      Ah, du kennst Waldfussel und fährst sogar bei ihr vorbei 🙂 . Und ein internetfreier Urlaub muss auch mal sein, mal sehen, ob ich das auch eine Woche hinkriege 😉 .

  • Klara sagt:

    ich kannte ja bislang auch nur wolkenseifen – da wird ein besuch im wald sicher spannend – bin gespannt auf deine reviews!
    spannend, wie so ein tag aussieht – ich hatte ja bislang *nur* mit der kosmetikverordnung zu tun, dazu nebenher dann auch noch selber zu kochen, sieden, abwiegen, verpacken etc pp, da kann ich nur sagen: alle achtung!
    danke für diese serie!!!

    • beautyjagd sagt:

      Waldfussel macht echt alles: Produktion und Vertrieb, das ist schon eine Hausnummer (und das ohne Mitarbeiter). Ich war auch beeindruckt.

  • sonny sagt:

    Herzlichen Dank für das tolle Interview! Ich bin ebenfalls ein grosser Fan der Deocreme von Waldfussel 🙂
    Sie hat nun gesagt, dass sie es schade findet, dass in NK noch viele syntethische Duftstoffe verwendet werden. Sind aber manche der von ihr verwendeten Duftstoffe nicht auch syntetisch?

    Liebe Grüsse

  • sonny sagt:

    Oh nein, da habe ich wohl was verwechselt, sorry. Ich meinte zuerst Wolkenseifen. Aber hier geht es ja um Waldfussel 🙂 Wo ich übrigens auch schon bestellt habe 🙂

    • beautyjagd sagt:

      Ja, Wolkenseifen vewendet bei einigen Produkten synthetische Düfte, das ist bei Waldfussel nicht der Fall. Ich teste gerade die Deocreme mit Kamille und Lavendel, und beim Auftragen muss ich an Kamillentee denken 🙂 .

      • Klara sagt:

        bin ja schon sehr gespannt auf diese review – denn die wolkenseifen deocreme, die ich hab, hat kein zinkoxyd, und das ist bei waldfussel ja drin, wenn ich das richtig gelesen habe – gerade der unterschied ist für mich also sehr interessant!

      • beautyjagd sagt:

        Ich dachte, alle Deos von Wolkenseifen haben auch Zinkoxid drin. Welche Sorte hast du denn *verwirrt bin*?

      • Klara sagt:

        hmmm. also ich bilde mir ein, auf dem Tiegel steht kein Zinkoxid drauf, kann jetzt hier im Büro aber nicht nachsehen – denn auf der Internetseite steht es auch mit drin… hab ich wohl vor lauter Begeisterung überlesen.

  • Liv sagt:

    Ein toller posts! Ich habe echt bewunderung für Dietlind. Selbstständigkeit ist glaub ich sehr stressig einfach weil man nie abschalten kann (jeden falls könnte ich das nicht). Toll finde ich ihre Einstellung zu NK und ihre Neugierde (die steckt fast an :)).
    Danke für diesen Einblick! Liefs, liv
    Liv kürzlich veröffentlicht..Alverde Neuzugänge in de Dekotheke Herbst 2012My Profile

    • beautyjagd sagt:

      Ich finde, Dietland hat super beschrieben, wie sie das Thema gepackt hat – sie konnte an nichts anderes mehr als Seifen denken. Daher kommt wahrscheinlich auch die Energie, die sie für ihre Selbstständigkeit hat.

  • keimonish sagt:

    Klingt spannend aber auch risikoreich und stressig. Mit Leidenschaft und Spaß bei der Sache sicher zu meistern. Mich würde ein Teil davon interessieren (Herstellung und Rezepte „erfinden“/kreieren……) für alles andere würde ich mir dann Mitarbeiter suchen. (nur so als Gedankenspiel:-) )

    • beautyjagd sagt:

      Ich finde es auch ganz schön tough, dass Waldfussel alles allein macht! Wahrscheinlich würde ich mir beim Versand und für den Shop Hilfe holen.

  • Schneizel sagt:

    Sehr schönes Interview. Ich muss nur ein bisschen bedenklich mit dem Kopf wackeln, diese Belastung mit dem Eine-Frau-für-alles-Betrieb wird doch ganz schön groß sein. Ewig hält man so was doch nicht durch… grade wenn die Nachfrage mal größer werden sollte… Aber ich bewundere ja solche „Macherinnen“ sehr. Auf deine Erfahrungen mit den Seifen wär ich auch neugierig.

    • beautyjagd sagt:

      Danke schön erst mal für das Kompliment 🙂 ! Ich denke auch, dass Waldfussel anbauen „muss“, wenn ihr Erfolg noch größer wird. Wie sie schon sagt, Konzentrations- und Organisationsvermögen müssen ausgeprägt sein für so einen Job. Ich ziehe auch meinen Hut vor ihr!