Inspiration, Reise

Tokyo Tagebuch 5: Der große Buddha lächelt

daibutsu kamakura

Gestern habe ich einen Ausflug nach Kamakura gemacht, einem Ort, der etwa 50 km südlich von Tokyo am Meer liegt. Der buddhistische Tempel Kōtoku-in ist die Heimat einer über 13 m hohen Bronzestatue des Buddha Amitabha aus dem 13. Jahrhundert – dem Daibutsu (großer Buddha).

Als ich um die eindrucksvolle Figur des in Meditationshaltung sitzenden Buddhas herum ging, erinnerte ich mich plötzlich lebhaft daran, wie ich vor etwa 15 Jahren während des Studiums ein Praktikum im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln gemacht habe. Ich assistierte damals bei der Vorbereitung der Ausstellung zum Todai-ji-Tempel in Nara und hatte großen Spaß dabei, mich in die japanische Kunstgeschichte einzuarbeiten.

Am deutlichsten weiß ich aber noch, wie glücklich ich mich bei der abschließenden Konferenz gefühlt habe  – ich hatte den Eindruck, am richtigen Ort zu sein, umgeben von einer Menge interessanter Menschen. Trotzdem hielt ich es für kaum möglich, dass ich tatsächlich einmal den Daibutsu besuchen würde, denn Japan war in meinem Kopf für mich unerreichbar weit weg.

Und nun hat sich mit meinem Aufenthalt in Tokyo ein Traum erfüllt, den ich (zu) lange nicht einmal zu träumen gewagt habe. Voller Dankbarkeit (und einem Anflug von Staunen über mich selbst) habe ich gestern den Daibutsu betrachtet und die Ruhe und Zuversicht, die er ausstrahlt, in mir aufgenommen.

Weshalb ich das hier aufschreibe? Einerseits um mich selbst an diesen Moment auf meiner Reise zu erinnern, wenn ich mir mal wieder selbst unnötige Grenzen setze oder an mir zweifle – aber auch, um euch zu ermutigen, in aller Freiheit zu träumen! Nur dann werden sich Wünsche erfüllen, selbst wenn es manchmal etwas länger dauert.

Wovon träumt ihr? In Japan gibt es in vielen Tempeln Votivtafeln, auf die man seine Wünsche und Bitten schreiben kann. Ich habe das Gefühl, dass es mir gut tut, sie konkret zu benennen und so genauer darüber nachzudenken.

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30 thoughts on “Tokyo Tagebuch 5: Der große Buddha lächelt
  • DieLexi sagt:

    Liebe Julie,
    ich verfolge Deinen Blog seit einigen Monaten mit wirklich großer Leidenschaft und viel Freude (2-3x mal die Woche schaue ich mich hier um…die Vorfreude ist immer groß). Heute ist es soweit, mein erster Beitrag! Ich wollte Dir einfach mal DANKE sagen für Deine gut recherchierten, detaillierten, liebevollen und – wie ich finde auch – philosophischen Artikel. Sie regen mich zum Nachdenken und Weiterdenken an, lassen mich schmunzeln, verführen mich zum Shoppen und Ausprobieren und haben letztendlich auch dazu geführt, dass ich größtenteils auf Naturkosmetik umgestellt habe, insbesondere meine Gesichtspflege!
    Dein Japan-Abenteuer verfolge ich gespannt, zeitweise fühle ich mich als wäre ich selbst vor Ort. Gestern Abend haben mein Freund und ich – ich meine auf Arte – eine wunderbare Reportage über Japan gesehen und waren uns einig, dass wir beide gerne einmal dort hin reisen möchten. Die Reportage hat unseren bislang eher vagen Wunsch dieses Land kennenzulernen, ein wenig mehr Form annehmen lassen…wir werden sehen, vielleicht wird aus diesem Traum ja etwas! 🙂
    Meine Träume sind aber auch oft im Hier&Jetzt verwurzelt, deswegen sind es vielleicht eher keine Träume, sondern vielmehr der Wunsch, jeden Tag zu einem möglichst guten zu machen und selbst, wenn das nicht klappt, einen jeden Tag eben für sich selbst sorgen zu lassen. Morgens mit schlechter Laune aufzustehen, empfinde ich als verschwendete Zeit. Oft klappt es mit dieser Einstellung, manchmal aber eben auch nicht…und dann bin ich meistens dankbar für mein liebevolles „Korrektiv“, mein Freund …wie zum Beispiel gestern als ich einen kleinen Anfall bekommen habe, weil es mit der Quittenmarmelade nicht so ging wie ich wollte…meinen kleinen Ausflipper (der dann wohl doch nicht so klein war!) kommentierte das eben besagte „Korrektiv“ mit „Fräulein MilliSievert!“ (Atombombe/Radioaktivität -> Strahlung in Millisievert…) Womit wir auch traurigerweise wieder bei Japan angekommen wären…konntest Du denn bislang wegen des nuklearen Unfalls spürbare Auswirkungen im öffentlichen Leben in Tokyo feststellen? Ich wünsche Dir auf jeden Fall einen wunderbaren Herbst in Japan und freue mich weiterhin auf Deine Postings!
    Alles Liebe & Gute von der „Schäl Sick“ ;-),
    DieLexi

    • beautyjagd sagt:

      Von der Schäl Sick, das freut mich natürlich sehr (selbst wenn ich immer linksrheinisch gewohnt habe). Vielen Dank für dein schönes Feedback zu meinem Blog!
      Glücklicherweise bemerke ich hier nichts von den Auswirkungen von Fukushima, allerdings kann ich auch nicht Zeitung lesen und die Wahrnehmumg in den japanischen Medien nicht verfolgen. Ich muss aber fast jeden Tag das schreckliche Ereignis denken, wenn ich im Internet über die täglichen kleine Erdbeben in Japan lese, die oft die Region von Fukushima betreffen.
      Ich versuche übrigens auch viel mehr im Hier und Jetzt zu leben, früher habe ich viel zu viel in der Zukunft gelebt („das mache ich dann, wenn…“ ) und konnte kaum den Augenblick genießen. Und ich priorisiere viel stärker, weil ich nun besser weiß, was mir wirklich wichtig ist und was nicht. Da ist einiges aus meinem Leben geflogen und hat Platz für neue (großartige) Dinge gemacht. Der Anfang zu diesen Schritten ist mir aber nicht leicht gefallen.
      Liebe Grüße

      • DieLexi sagt:

        Das „Entscheidungen treffen“, manchmal auch einfach Anfangen/Loslegen und eben nicht immer alle Szenarien durchzuspielen und sich auf „Das mache ich dann, wenn…“ zu reduzieren, ist eine tägliche Übung, wie ich meine im optimalen Fall eine lebenslange Herausforderung, der man eben auch nicht immer zu ernst begegnen sollte…In diesem Sinne eine tolle Zeit in Japan und Dir eine gute Nacht! Viele sonnig-herbstliche Grüße aus einem farbenfrohen Köln,
        DieLexi

  • Ursula sagt:

    Ah, wie beneide ich dich!
    Nach Kamakura haben wir es damals, als wir durch Japan reisten, nicht geschafft. Dafür haben wir aber den Daibutsu im Todai-ji-Tempel in Nara besucht 🙂

    Trink ein Calpis für mich 😉
    Und weiterhin viel Spaß in Japan!

  • Victoria sagt:

    Ich wäre jetzt auch gerne an diesem wunderschönen, erholsamen Ort!!!
    Deine Japan-Reise ist sehr inspirierend und es macht Spaß Deine Beiträge dazu zu lesen.

    Ich wünsche Dir noch eine schöne Zeit in Japan 🙂

    • beautyjagd sagt:

      Danke! Und ich habe tatsächlich mittlerweile den Eindruck, dass Tokyo auch erholsam sein kann.

  • Liz sagt:

    Deine durchdachten und aufmerksamen Artikel sind mir immer wieder eine große Freude. Gute Reise weiterhin!

  • ida* sagt:

    Dein Post kommt wie gerufen!!! Ich bin zur Zeit etwas durch den Wind, weil 2014 noch ein komplett unbeschriebenes Blatt ist, vor allem beruflich. In London habe ich zwei Jobs erspäht, auf die ich mich bewerben möchte. Dabei kommen mir immer wieder Zweifel: traue ich mich das zu? Packe ich das? Ist das nicht völlig verrückt? usw. Da ist deine „Lebe-deinen-Traum“-Botschaft Balsam für die Seele (zumindest ist das die Quintessenz, die ich für mich daraus ziehe). Danke dafür!

    Liebe Grüße,
    Ida

    • beautyjagd sagt:

      Ui, London, das hört sich toll an! Ich würde mich bewerben und gucken, was draus wird – und irgendwie ist es doch auch eine großartige Chance, dass 2014 noch so unbeschrieben ist und alle Möglichkeiten bietet 🙂

  • Tini sagt:

    Liebe Julie,
    Du schreibst so interessant, dass auch mich die Reiselust packt. Kennst Du eigentlich das Buch „Das große Los“ von Meike Winnemuth? War gerade auf einer Lesung mit ihr und fand es sehr inspirierend wie sie dank Jauch auf eine Weltreise aufgebrochen ist, was sie erlebt und bewegt hat. Welche Gedanken sie sich gemacht hat. Welche Chancen und Gelegenheiten man hat und dass man sie ergreifen muss.
    Vielen Dank für Deine Berichte. Es ist schön mal mit Dir über den Tellerrand gucken zu können. Alles Gute weiterhin!
    Tini

    • ida* sagt:

      Das ist ja toll, ich wusste gar nicht, dass sie auch auf Lesungen unterwegs ist! Ihr Buch bzw. ihren Blog fand ich auch sehr inspirierend!

      Liebe Grüße,
      Ida

    • beautyjagd sagt:

      Ich habe ihren Blog gelesen, ein großartiges Projekt hat Meike Winnemuth da gemacht. Ich werde mir das Buch auch noch kaufen um die Inspirationen von ihr wieder aufzufrischen 🙂

    • anajana sagt:

      Ich warte schon mit Ungeduld auf Ihr neues Projekt, das meines Wissens in 2014 starten soll. „12 Monate in der Provinz“ oder so ähnlich. Immer mal wieder schau ich auf der vormirdiewelt.de-Seite nach, wann es denn endlich losgeht.
      Ihren Blog habe ich über Monate mit Wonne verfolgt, das Buch werde ich mir bei Gelegenheit aber auch noch holen.

      • beautyjagd sagt:

        Auf die 12 Monate in der Provinz bin ich auch schon sehr gespannt!

      • Tini sagt:

        Schön, dass hier einige das Buch kennen. Habe ich fast erwartet 😉 Sie kommt wohl nächstes Jahr auch hier nach Erfurt. Vielleicht laufen wir uns ja mal über den Weg. Auf jeden Fall eine interessante Person. Wer die Gelegenheit hat sollte sich zu einer Lesung aufmachen.
        Liebe Grüße
        Tini

  • Anajana sagt:

    Es ist schön, dich auf deiner Reise zu begleiten und immer wieder schön, welche Denkanstöße du lieferst. Ich wünsche dir noch eine tolle Zeit in Japan.

  • Mexicolita sagt:

    Hey Julie,
    ein toller „Notiz an dich selbst“-Post! Ich lieeebe solch kleine Dinge, die einen daran erinnern, was _wirklich_ wichtig ist.
    Mir hilft es auch immer sehr, schreibend oder durch gute Gespräche meine Gedanken zu sortieren und zu konkretisieren. Das klingt zwar irgendwie banal, kann aber tatsächlich Berge versetzen. .)
    Ich habe zum Träumen manchmal viel zu sehr den Kopf voll, um mir zur richtigen Zeit bewusst machen zu können, dass es viel mehr gibt als Sorgen und Grenzen und dass viele Dinge im Alltag völlig fremdgesteuert ablaufen.

    Danke für Erinnern
    &
    liebste Grüße

    Mexi
    Mexicolita kürzlich veröffentlicht..mein “kleiner” Kosmetikraubzug in HerbstMy Profile

    • beautyjagd sagt:

      Ja, „Notiz an mich selbst“, sehr schön zusammengefasst! Mir geht es auch so, manchmal bin ich so gestresst, dass ich gar nicht mehr daran denke, zu träumen. Vielleicht reise ich deswegen so gern, weil ich mich da besser auf das Wichtige konzentrieren kann.

  • peti sagt:

    Ich bin sehr berührt heute von deinen Zeilen. Ja, das Leben geht manchmal seltsame Wege. Letztes Jahr erfüllte sich ein Traum von mir, ich habe mit einer langjährigen Freundin eine gemeinsame Kunst-Ausstellung freier Arbeiten gemacht, und irgendwie gelang es wie zufällig und fügte sich zusammen. Wir wollten das immer schon mal machen, aber es hat sich nie so ergeben. Und wundersamer Weise haben wir uns durch Zufall bei dem Thema Insekten getroffen und jeder hat es auf seine Art umgesetzt. Es war ein schönes Erlebnis.
    Neben meiner Arbeit als Grafikerin hatte ich nie viel Zeit für freie Kunst. Nach der Ausstellung entstand in mir der Wunsch ein Buch zu machen. Leider konnte ich diesen Wunsch dieses Jahr nicht weiterverfolgen, meine Gesundheit ist mir ein wenig dazwischengeraten, aber ich hoffe es vielleicht eines Tages in der Hand zu halten, so wie du heute an dem Ort warst, der dich in deiner Vergangenheit schon berührt hat, aber du gar nicht dran gedacht hast, das er eines Tages wirklich werden könnte.
    Solche Momente sind wirklich etwas ganz besonderes.

    Ich werde meinen Wunsch jetzt auch auf ein „Täfelchen“ schreiben 😉 Wünsche aufzuschreiben oder darüber zu sprechen lässt sie manchmal langsam Schritt für Schritt wachsen und somit Wirklichkeit werden.

    • beautyjagd sagt:

      Ich kenne das auch, dass sich Dinge „ganz zufällig“ ergeben – aber ich glaube nicht, dass es wirklich ganz zufällig ist, da wurde das Flussbett einfach gut bereitet, so dass der Fluss gut fließen kann. Meine Reise nach Tokyo war im Grunde auch so etwas, als ich sah, dass es geht, war ich ganz erstaunt, wie mühelos sich auf einmal einiges fügte. Schon erstaunlich!
      Ein Buch ist ein wunderbarer Wunsch, den ich auch schon länger mit mir herumtrage – aber interessanterweise bisher noch nicht konkret formuliert habe. Deswegen danke für Deinen Anstoß!

  • Johanna sagt:

    Danke für diesen wunderbaren Post!
    Meine Träume sind eigentlich sehr bodenständig: mein Studium und meine Ausbildung zu schaffen (auch nervlich) und dann irgendwann mit meinem Freund bestimmte Länder bereisen zu können (Irland, Färöer, Kanada, Peru..)
    Vielleicht kommt da irgendwann noch was „Aufregenderes“ hinzu 😉

    • beautyjagd sagt:

      Studium/Ausbildung waren für mich große und aufregende Schritte im Leben, ich wünsche Dir starke Nerven dafür und viel Erfolg!

  • Noemi B. sagt:

    Das ist eindrücklich… und wunderbar, wenn so ein Traum in Erfüllung geht!

    Ich möcht auch gern mehr von der Welt sehen, da gibts noch einige Kandidaten, die es zu bereisen gäbe: Argentinien, Japan, Australien, Java/Sulavesi… evtl. Indien.
    Manchmal würde ich auch gern für 4-6 Monate einfach aussteigen und irgendwo in einem Hilfsprojekt oder ähnlich, einfach mal etwas total anderes machen.

    Aktuell fühl ich mich auch wieder sehr fremdgesteuert und habe kaum Zeit für mich, ich hoffe, dass das vor Ende Jahr noch aufhört.
    Aber diverse Träume sind auch schon in Erfüllung gegangen, das darf man auch nicht vergessen.

    • beautyjagd sagt:

      Ich erinnere mich auch immer mal wieder daran, was schon alles in Erfüllung gegangen ist! Und dieses Gefühl der Fremdsteuerung finde ich auch reichlich unerträglich, ich wünsche Dir, dass das bald weniger wird. Und vielleicht ist so ein „Sabbatical“ ja bei deiner Firma mal möglich?

  • Sabine sagt:

    Herzlichen dank fuer deine wunderbaren schilderungen aus japan! du hoerst dich sehr gluecklich an, man merkt dir tut die reise gut.

    ich besuche sehr regelmaessig, meistens freitag abends, einen zendo oder einen sanga wo ich zusammen in einer gruppe meditiere. diese stunde am freitag moechte ich auf keinen fall mehr vermissen.

    wenn du mehr ueber das hier und jetzt (neudeutsch mindfulness :-)) wissen moechtest kann ich dir buecher von Jon Kabath Zin und Tich Nhat Hanh empfehlen. regelmaessig besuche ich das europian center of applied buddism – of all places- in waldbroehl…

    liebe julie, lass es dir weiterhin so gut gehen! herzlichen gruss,
    Sabine

    • beautyjagd sagt:

      Mit tut die Reise sehr gut, das finde ich auch – vielleicht auch deswegen, weil ich dadurch an Gedanken erinnert werde, die ich etwas vergraben hatte. Danke für deine Buchempfehlungen, die werde ich mal googlen 🙂

  • […] einen wunderbaren Ausflug nach Kamakura (ca. 50km von Tokyo entfernt) zum großen Buddha, dem ich schon vor zwei Jahren einen Besuch abgestattet hatte. Er wirkte fast wie ein alter und vertrauter Freund auf mich 😉 , trotz der vielen Menschen um […]