Gesichtspflege, International

Marketing wie aus dem Lehrbuch: Steam Cream


Die „Steam Cream“ geistert seit einiger Zeit durch die britische Bloggerwelt. In England habe ich es aus zeitlichen Gründen nicht mehr geschafft, mir eine Dose davon zu kaufen. Umso entzückter war ich, als ich im „Bon Marché“ in der Beauty-Abteilung einige der Aluminiumdosen entdecken konnte.

Ich war einfach neugierig: Was verbirgt sich hinter der „Steam Cream“? Ein neuer Hype um Wasserdampf? Ein gut gemachtes Guerilla-Marketing? Ein Kult um eine hübsch verzierte Blechdose?

Erst mal ein paar Fakten. Die „Steam Cream“ gibt es an ausgewählten Verkaufspunkten oder online auf steamcream.eu für 10,50 Pfund. In Deutschland wird sie von kultkosmetik.de für 15 EUR vertrieben. Sie wird tierversuchsfrei hergestellt und ist vegan.

Die Creme ist in einer hübschen Aludose à 75 ml verpackt, die es in verschiedenen attraktiven und witzigen Designs gibt. Manche der Dosen gibt es nur in limitierten Auflagen. Ich habe das Design mit der britische Flagge gewählt, das „Freedom&Discipline“ heißt, wenn das nicht mal zu mir passt 😉 .

Die „Steam Cream“ ist eine Art Allzweck-Creme, die man für das Gesicht, die Hände und den Körper verwenden kann. Sie ist laut Beschreibung für alle Hauttypen geeignet. Die Creme ist schön weiß, nicht zu fest (hat nichts mit einer Nivea-Creme zu tun) und riecht kräuterig-lavendelig.

Laut Homepage soll sie sehr gut einziehen und gleichzeitig gut pflegend sein.

Mich hat der Duft der Creme sofort stark an die „Dream Cream“ von Lush erinnert. Sie riecht sehr ähnlich, die „Steam Cream“ riecht nur etwas mehr nach Lavendel. Bei meinen Recherchen bin ich dann auch darauf gestoßen, dass Andrew Gerrie, Vorstand bei Lush, der Gründer der „Steam Cream“ ist. Für mich waren das die ersten Hinweise, woher der Wind weht! Geniales Marketing wird ja auch bei Lush eingesetzt, um den Verkauf anzukurbeln.

Aber abgesehen vom Marketing, was sind also die Zutaten der geheimnisvollen „Steam Cream“?


Die Hauptbestandteile sind Haferkornextrakt und Orangenblütenwasser, die zusammen eine Hafermehl-Infusion bilden. Die Fettphase der Creme besteht vorwiegend aus Mandelöl, Kakaobutter, Glycerin sowie dem Emulgator Stearic Acid. Konserviert wird die „Steam Cream“ mit zwei Parabenen.

Und damit verglichen die Inhaltsstoffe der „Dream Ceam“:

Ein sehr ähnlicher Aufbau der Creme! Wie auch die „Steam Cream“ ist der Hauptbestandteil der Creme eine Hafermehl-Infusion, dieses Mal mit Rosenwasser gebildet. Dann folgen Olivenöl, Kakaobutter, Glycerin und wieder der Emulgator Stearic Acid. Wie bei der „Steam Cream“ sind zwei Parabene als Konservierungsmittel eingesetzt. Die Namen der beiden Cremes reimen sich also nicht umsonst…

Die „Dream Cream“ im 240 ml-Topf kostet 17,95 EUR und wird als Bodylotion verkauft. Sie ist noch immer eines meiner liebsten Produkte von Lush, auch wenn ich mich über den Einsatz der Parabene ärgere. Die „Dream Cream“ wird ja teilweise als Kultprodukt von Lush bezeichnet, das auch Stars verwenden sollen.

Vielleicht hat dies den CEO von Lush auf die Idee der „Steam Cream“ gebracht: Eine ähnlich aufgebaute Creme, verpackt in kleineren Einheiten in einer attraktiven, japanisch inspirierten Aludose, deklariert als Gesichts- und Allzweckcreme, um einen höheren Preis zu rechtfertigen.

Dazu eine Marketing-Idee, die Wasserdampf („Steam“) zum Thema hat. Die Herstellung der Creme mit Wasserdampf wird auf der Homepage nebulös beschrieben. Unter der Überschrift „Why steam? How the steam process works“ wird in äußerst unklaren Worthülsen darauf hingewiesen, dass beim Herstellungsprozess der „Steam Cream“ mit Wasserdampf gearbeitet wird. Dies soll dazu führen, dass sie anders emulgiert als übliche Cremes. Die „Steam Cream“ soll durch dieses Verfahren leichter von der Haut absorbiert, Wirkstoffe tiefer in die Hautschichten eingeschleust werden.

Hört sich grotesk an? Ist es meiner Meinung nach auch. Schließlich besteht die Creme wie andere Cremes aus wässrigen und fettigen Zutaten, die mittels eines Emulgators miteinander verbunden werden. Wasserdampf kann nicht als stabiler Emulgator fungieren. Natürlich wird es während des Herstellungsprozesses auch mal dampfen, kein Zweifel. Mich macht aber einfach skeptisch, dass dieser Prozess nicht klar beschrieben, sondern mit werbenden Worten darum herum laviert wird. Es ärgert mich, wenn Kunden für dumm verkauft werden sollen. Mich würde wirklich interessieren, was an dieser Emulsion so besonders sein soll und was Wasserdampf damit zu tun hat.

Zweifelhaft finde ich diese Vorgehenweise auch deswegen, weil auf der Homepage unter „Ethics“ (= Grundwerte des Unternehmens) ausdrücklich erklärt wird, den Kunden nicht mit falschen Hoffungen ködern zu wollen.

Mit der Nutzung der „Steam Cream“ auf meiner eher trockenen Haut mit Mischhautanteilen war ich aber zufrieden. ich denke, sie ist tatsächlich für alle Hauttypen geeignet. Die Konsistenz der Creme ist nicht zu fluffig, eher leicht und glänzend. Sie zieht gut ein und hinterlässt ein gepflegtes Hautgefühl. Meiner Meinung nach ist es eine einfach gemachte Hautcreme (was ich nicht negativ meine), die ich auf Reisen durchaus als Allzweck-Creme einsetzen werde. Wer nicht auf kräuterige Düfte oder Lavendel steht, dem kann ich allerdings nur davon abraten.

Mein Fazit: Marketing wie aus dem Lehrbuch: Guerilla-Marketing via Internet, verknappte Distribution, eine coole und interessante Verpackung mit limitierten Designs, kein komplett verrückter Preis.
Die Creme selbst ist relativ schlicht aufgebaut und setzt (trotz der eingesetzten Parabene, die von Lush und Steam Cream heftigst verteidigt werden) auf naturnahe Wirkungsweise. Die Idee mit dem Wasserdampf soll das unterstreichen. Leider schreckt mich ab, wie dem Kunden die Idee mit dem Wasserdampf als besonderes Herstellungsverfahren und die daraus resultierende Wirkungsweise untergejubelt werden soll.
Wer die hübschen Dosen mag, sollte sich die „Steam Cream“ mal ansehen. Wer ein sehr ähnliches Produkt zum niedrigeren Preis möchte, für den reicht die „Dream Cream“ von Lush sicher aus.

Habt ihr schon von der „Steam Cream“ gehört? Falls ihr sie auch verwendet, wie findet ihr sie? Was haltet ihr von der Wasserdampf-Idee, habt ihr sie verstanden?

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9 thoughts on “Marketing wie aus dem Lehrbuch: Steam Cream
  • […] bei British Beauty Blogger habe ich gelesen, dass es die Steam Cream zukünftig auch im Boots geben wird. Bisher gab es sie nur online und in ausgewählten […]

  • Jana sagt:

    Ahhha! Die Creme hätte mich jetzt auch angesprochen, daher bin ich froh, dass du ein wenig hinter die Fassaden gesehen hast. Ich kenne die Lush Dream Cream gar nicht. Ich muss auch sagen, dass ich die schwarzen Eimerchen von Lush nicht besonders berauschend finde. Aber anfassen werd ich die Creme demnächst mal.

    • beautyjagd sagt:

      Die Dosen sind echt super hübsch gemacht, ich habe letztes Jahr nicht wiederstehen können. In London habe ich jetzt welche mit neuen Motiven gesehen, da sind sehr schöne dabei! Aber mich stören leider einige der INCIs, deswegen war ich tatsächlich vernünftig 😉 .

    • tinka line sagt:

      Nachdem lush für umweltschutz und recycling bekannt ist sind diese schwarzen eimerchen zu 100 prozent wiederverwertbar…und dass ist mehr wert als die optik. ..ausserdem zahlst du nur die inhaltsstoffe…klar könnte lush nen hübschen tiegel mit schnickschnack produzieren…aber bist du dann auch gewillt den mitzubezahlen? Schaut euch mal im inet um was so 100ml rosenöl kostet…da werdet ihr die augen aufmachen und vl. versteht ihr dann warum die cremen den preis wert sind 😉

      • beautyjagd sagt:

        Ich mag die schwarzen Töpfchen von Lush sogar ganz gern – nur verstehe ich nicht ganz, wie Lush sich Umweltschutz auf die Fahnen schreiben kann und trotzdem Inhaltsstoffe wie SLS (nicht gerade umweltfreundliche Herstellung) oder EDTA (biologisch schlecht abbaubar) verwendet. (Abgesehen davon bezahlt man natürlich nie nur den Inhalt eines Cremetopfes, Marketing und Vertrieb laufen ja auch nicht kostenfrei ab 😉 ).

  • Lia sagt:

    Also ich finde die kleinere Menge viel praktischer für unterwegs, außerdem kann man die hübschen Döschen ja auch mit der Dream Cream füllen, wenn man eine mal leer hat 😀 Die Dream Cream werde ich aber auch mal ausprobieren.

  • Chloé sagt:

    Hallöchen,

    ja, dieser Beitrag ist schon etwas älter – trotzdem interessiert er mich noch vor allem, da mich auch die steam cream interessiert. Die Parabene im Produtk stören mich genauso wie dich, ebenfalls in den Lush- Produkten hätten sie, wenn man ihrer Werbung glaubt, nichts zu suchen. An Lush ist ja auch einiges Zwielichtig, was ich so gehört (und gesehen) habe. Darüber wollte ich eigentlich einen Post verfassen, auf der anderen Seite liebe ich Lush und will es irgendwo doch nicht machen.

    Naja jedenfalls weiss ich nicht ob mir die Steamcream ihren Preis wert ist. Ich werde vermutlich beim Lush-„Dupe“ bleiben.

    Danke für das tolle Review!
    Chloé kürzlich veröffentlicht..CHRISTMAS GIVEAWAYMy Profile

    • beautyjagd sagt:

      Grundsätzlich habe ich auch nichts gegen Lush, denn einige Punkte des Konzepts mag ich sehr (andere weniger, und dazu gehören an mancherlei Stellen leider die Inhaltsstoffe). Ähnlich sieht es mit der Steam Cream aus: Die Dosen finde ich wunderhübsch und eine schöne Idee, diese immer wieder anders zu gestalten. Das muss letztlich jeder für sich entscheiden, ob man die Produkte kauft oder nicht.

  • […] Wunderprodukt, der Steamcream! Hierbei habe ich mich am meisten aufs Ausprobieren gefreut, seit ich diesen sehr interessanten Blogpost von Beautyjagd zur Steamcream gelesen habe. Allem zweifelhaften Marketing zum Trotz befinde ich die Steamcream […]