Duft, High End

Penhaligon’s Bluebell – ob Kate ihn morgen trägt?

Angeregt von Jetties Royal Giveaway „No More Waity, Katie“ und dem schönen Adels-Hochzeiten-Post von Mrs. Petruschka habe ich nun doch begonnen, mich für die morgige Hochzeit im englischen Königshaus zu interessieren.

Dabei kam mir das englische Parfümhaus Penhaligon’s wieder in den Sinn, das auch das Lieblingsparfüm von Lady Di, Kate Moss, Tilda Swinton und Margaret Thatcher (!!!!) herstellt: Bluebell heißt der berühmte Duft, den diese überaus verschiedenartigen Frauen präferier(t)en.

Wird Kate ihn morgen vielleicht auch tragen? Die Farbe der Bluebell würde einen wunderbaren Bogen zu ihrem lila Kleid schlagen, das sie bei der Bekanntgabe der Verlobung trug. Und für mich ist dieser Duft der Inbegriff der Englishness.

Bluebell ist eine Hyazinthenart, die in englischen Wäldern im April und Mai blüht und dann mit ihren Blüten einen blauen Teppich bildet. Sie riechen sehr intensiv, um damit Insekten anzulocken. 70% aller Bluebells wachsen in Großbritannien – kein Wunder, dass sich das Traditionshaus Penhaligon’s dieser sehr englischen Blume angenommen hat.

Penhaligon’s wurde 1870 vom Barbier William Henry Penhaligon gegründet und bald darauf zum Hoflieferanten für Queen Victoria ausgewählt. 1975 wurde das Haus von Sheila Pickles wiederbelebt, die Wert auf die Parfümkunst des 19. Jahrhunderts legte: Frische Kölnisch Wasser und florale Düfte standen im Vordergund.

Mittlerweile hat sich das Haus weiterentwickelt und lanciert auch moderne Düfte wie z.B. Love Potion No. 9. Neulich habe ich gesehen, dass die Marke sogar in der Glossy Box vertreten ist. Die Klassiker wurden aber beibehalten, was sicher daran liegt, dass sich darauf der Ruf des Hauses begründet.

Bluebell ist angeblich in England der beliebteste Duft aus dem Sortiment von Penhaligon’s. In amerikanischen Parfüm-Foren löst dies immer wieder Verblüffung aus, denn Bluebell ist kein leichter, lieblicher Duft, wie man es vielleicht zuerst vermuten könnte.

Verpackt sind die Parfüms von Penhaligon’s in einem festen Umkarton, dessen Deckel man abzieht, um dann den wunderschönen Glasflakon zu entdecken. Er ist schlicht und aus transparentem Glas, lediglich die Verschlusskappe wird von einer Schleife aus Rips geschmückt. Auf dem ovalen Etikett steht dann der Name des leicht bläulich gefärbten Eau de Toilette.

Bluebell wurde 1978 vom Parfümeur Michael Pickthall komponiert, der auch für andere Düfte wie z.B. Lily of the Valley von Penhaligon’s verantwortlich ist. In den 70er Jahren waren grüne Düfte in Mode, so wundert es nicht, dass Bluebell einige Sekunden nach dem Aufsprühen sehr grün und blumig nach Frühling riecht. Ich habe wirklich den Eindruck, von einer Wolke an Bluebells umgeben zu sein.

Aber schon wenige Sekunden nach dem Trocknen verändert sich der Duft bereits. Das Florale und Leichte des Eau de Toilette weicht einer scharfen, balsamischen, würzigen und gleichzeitig sehr grünen Note, die ich als Galbanum erkenne. (Galbanum ist ätherisches Öl, das aus der harzigen Milch einer fenchelartigen Pflanze aus dem Mittleren Osten destilliert wird.) Dazu kommen Zimt und Nelken, ich habe fast den Eindruck, ein Curry zu riechen 😉 .

Nach ca. zehn Minuten wird die florale Komponente aber wieder stärker. Von Penhaligon’s werden Jasmin, Maiglöckchen, Alpenveilchen, Rose und selbstverständlich auch Hyazinthe genannt, die verwendet wurden. Der Duft besitzt auch etwas Stechendes, wie es für Hyazinthen typisch ist. Man soll sie nicht ins Schlafzimmer stellen, weil sie so duftintensiv sind und dadurch bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen auslösen können.

Wenn ich nicht direkt an meinem Arm schnuppere, sondern mit einem halben Meter Abstand, kann ich in dieser Phase nun wieder die Bluebells riechen. Aber ihr Duft schwirrt nicht nur durch die frühlingshafte Luft, sondern ist eingebunden in dampfige, feuchte Erde wie nach einem Regenguss. Die würzige Noten bilden einen waldigen Hintergrund.

Als gefällig würde ich den Duft aufgrund seiner Intensität und Vielschichtigkeit nicht bezeichnen. Zum Tragen bei hohen Temperaturen würde ich abraten, da dann das stechende Galbanum zu vordergründig durchkommt. Deswegen wundert es mich nicht, dass Bluebell besonders bei den Engländerinnen beliebt ist – moderates, kühles, leicht feuchtes Klima kommt dem Duft meiner Meinung nach entgegen.

Die Inhaltsstoffe möchte ich euch nicht vorenthalten:

Ich ärgere mich ziemlich darüber, dass Diethyl Phthalat enthalten ist. Es wird als Vergällungsmittel für Alkohol eingesetzt und hat die Funktion, den Duft zu fixieren. Gleichzeitig ist es aber schädlich für das Nervensystem, wirkt hormonell und steht im Verdacht, Leber, Niere und Fortpflanzungsorgane zu schädigen.

Bluebell wird als Eau de Toilette mit 50ml und 100ml angeboten, dazu ergänzend gibt es Bodylotion und Seife. Die Düfte von Penhaligon’s werden nur von ausgewählten Parfümerien verkauft, die Nischenmarken führen. Ein Flakon mit 50 ml kostet bei rosegarden.de 65 EUR.

Mein Fazit: Bluebell ist ein faszinierender Duft, da er vielschichtig aufgebaut ist und Komponenten benutzt, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen. Man muss sich definitiv auf den Duft einlassen, um das Bild des Frühlingswaldes mit den blühenden Bluebells vor Augen zu haben. Engländerinnen, die in ihrer Kindheit zu Country Walks gezwungen wurden, dürfte der Duft von Bluebell wahrscheinlich geläufig sein 😉 . Für den täglichen Gebrauch ist mir Bluebell zu anstrengend, aber ich schätze ihn trotzdem sehr.

Kennt ihr Düfte von Penhaligon’s? Welchen mögt ihr, oder welchen gerade nicht? Was haltet ihr von altmodischen Parfüms? Welchen Duft liebt ihr im Frühling?

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16 thoughts on “Penhaligon’s Bluebell – ob Kate ihn morgen trägt?
  • Jana sagt:

    Mein „altmodischster“ Duft ist Chanel Nr. 5. Ist mir aber bis auf ein paar Tage im Jahr viel zu schwer und mächtig. Aktuell trage ich häufig Couture Couture von Juicy Couture und Diors Pure Poison (beide schon vorgestellt). Ganz neu hab ich YSL Belle d’Opium, ist eine leichter orientalischer Duft.

    • beautyjagd sagt:

      Dann lese ich gleich mal deine Beschreibungen auf deinem Blog 🙂 . Belle d’Opium ist auch eine moderne Abwandlung von einem echten Klassiker. Ich habe nur einmal Probe geschnuppert, werde das aber nochmal tun.

  • Sehr interessante Beschreibung dieses Duftes!
    Kannte ich bisher nicht, ich mag es sehr die Hintergründe eines Duftes oder schöner anderer Produkte kennenzulernen.

    Ich denke Chanel N 5 reiht sich in die Klassiker ein, wie auch Düfte von Hermes, deren Namen mir nicht einfallen. So richtig altmodische Düfte kenne ich persönlich nicht, denke aber, dass so einige Kreationen Jahrzehnte überdauert haben und heute noch produziert und getragen werden. Magie Noire fällt mir gerade ein, meine Mutter duftete immer danach.
    Ich finde es sehr schön, wenn Düfte viele Zeiten und Trends überdauern.
    LG Petra 🙂

    • beautyjagd sagt:

      Ja, Magie Noire! Den kenne ich auch 🙂 Das ist definitiv ein Klassiker von Lancôme. Ich mag es auch, wenn Düfte länger als eine Saison am Markt sind und sorgfältig handwerklich hergestellt sind. Liebe Grüße 🙂

  • Naekubi sagt:

    Die Firma Penhaligon’s kenne ich zwar, habe aber noch nie ein Parfum von ihnen getestet oder besessen.

    Einer meiner Wünsche ist es ja, mal einen Klassiker zu besitzen, der mir auch steht. Nur leider habe ich noch keinen passenden gefunden.

    Einer meiner Lieblinge für den Frühling ist Hanami von Annayake. Daneben mag ich aber auch Rose 4 Reines von L’Occitane sehr gerne.

    • beautyjagd sagt:

      Den Rose 4 Reines habe ich auch, verwende ihn aber eher im Herbst/Winter. Hanami muss ich mal beschnuppern, von dem habe ich nur gelesen 🙂
      Ich finde es auch gar nicht so einfach, einen für sich passenden Klassiker zu finden. Mit viel Glück erwischt man in einer guten Parfümerie manchmal eine Verkäuferin, die Ahnung hat. Das macht dann richtig Spaß und da probiere ich dann viel aus. Ich wünsche Dir viel Erfolg bei deiner Suche 🙂

  • Anajana sagt:

    Chanel Nr. 5 ist auch mein Klassiker. Benutze ich allerdings nur sehr selten, eher in der kalten Jahrezeit, ist mir ansonsten zu üppig.
    Mein Lieblingsduft ist (meist) Infusion d’Iris von Prada, aber je nach Stimmung liebe ich auch Parisienne von YSL, Chance von Chanel und wenn es besonders warm ist Cool Water Woman.

    • beautyjagd sagt:

      Infusion d’Iris mag ich auch gern 🙂 Von Parisienne war ich enttäuscht, weil er auf meiner Haut zu fruchtig rauskam. Den hätte ich mir zu gern gekauft, schon wegen des Namens. Du hast ja auch eine kleine Sammlung zusammen 🙂

  • Andreea sagt:

    Ich hatte Love Potion No9 und der war mir zu heftig – bzw hatte Angst, den meiner Umwelt zuzumuten. Heute würde ich den wieder tragen. Bluebell habe ich nicht getestet, ich mag aber einige der Düfte. Ich liebe definitiv Amaranthine! Und der Lilly of the Valley ist einfach perfekt (steht mir aber nicht).

    Tolle Duftbeschreibung, ich liebe den Blumenduft. DAS hier hört sich anders an – aber auch gut. Was für mich? Ich suche noch einen Hochzeitsduft – schwer und trotzdem romantisch.

    • beautyjagd sagt:

      Danke 🙂
      Love Potion No9 ist mir auch zu heftig. Aber du hast recht, ich muss ihn mal wieder beschnuppern. Meine Nase verändert sich ja auch. Lily of the Valley mag ich auch sehr gern, nur passt er zu meiner Haut auch nicht! Ob Bluebell für deine Hochzeit was ist, mmmhhh… Du heiratest ja im Dezember, da ist es kühl und mir meistens nicht so frühlingshaft zumute. Ich brauche da meistens wärmere Düfte (mir fällt da Mallabah von Penhaligon’s ein, aber da weiß ich nicht, ob das ein Hochzeitsduft ist, ich verwende ihn ausschließlich abends). Aber prinzipiell ist Bluebell ein toller Hochzeitsduft, weil ich ihn auf eine Weise unschuldig, romantisch und gleichzeitig erwachsen und klug finde.

  • keimonish sagt:

    Mein altmodischer Duftklassiker ist Fendi. Ich besitze es noch, weiß aber heute nicht mehr WARUM er mir soooo gut gefallen hat, dass ich mir Nachfolger gekauft habe als es mir dann möglich war. Ich benutze es kaum noch.

    Wie jedesmal, bekomme ich eine bildhafte Vorstellung von Deiner Duftbeschreibung. MIR fallen solche treffenden Beschreibungen nie ein 🙂 Ein Sinnesschmaus, es zu lesen 🙂
    Wie Margaret Thatcher in die Reihe der Anwenderinnen passt, frag ich mich auch.:-)

    Als Frühlingsduft bezeichne ich alles, was nach Fresien riecht, obwohl ich keinen speziellen Duft dazu besitze.

    • beautyjagd sagt:

      Dein Kompliment freut mich wirklich sehr, da ich an Duftbeschreibungen immer eine ganze Weile sitze und viel darüber nachdenke 🙂

  • […] ich gestern die Parfüm-Review geschrieben habe, bin ich per Zufall bei der Suche nach Vergleichs-Düften in einer Schublade auf […]

  • la pop sagt:

    Vielleicht interessant: Dieser Artikel im Hamburger Abendblatt vom 6.4. besagt, dass eine Hamburgerin sich um die Parfüms für Kate und William gekümmert hat. Die Duftbeschreibungen sind allerdings nicht so poetisch und ausführlich wie bei Dir 🙂

    >>WINTERHUDE. Prinz Charles zählt schon lange zu ihren Kunden. Trotzdem ist Kim Weisswange „beinahe das Herz stehen geblieben“, als sie vor einigen Wochen einen Anruf aus dem britischen Königshaus erhielt. Einen individuellen Duft für das Brautpaar Prinz William und Kate Middleton sollte die Parfümeurin kreieren – als Geschenk eines Familienmitglieds. Um wen es sich dabei handelt, darf sie nicht verraten. Diskretion ist Ehrensache.

    Fast zwei Monate lang feilte Kim Weisswange an dem perfekten Parfüm für die Hochzeit des Jahres, mixte mehr als 90 Ingredienzien. Wie duftet künftig der Prinz? Und wie seine Prinzessin? Das Ergebnis: Williams Wässerchen besticht durch Adlerholz und eine dynamische Note. Seine Zukünftige dagegen verkörpert den sinnlichen Part, mit Rosenessenzen.

    „Die Düfte sollen den Charakter und die Persönlichkeit der beiden unterstreichen“, sagt Kim Weisswange, die seit mehr als 20 Jahren persönliche Parfüms komponiert. Prominente wie Madonna, Pierce Brosnan oder Vivienne Westwood gehören zu ihren Kunden. Mit den Royals ist Weisswange schon lange vertraut. Prinz Charles schwöre seit vielen Jahren auf ihre Kompositionen. Der Kontakt kam zustande, nachdem sie für einen anderen Adeligen ein Parfüm komponiert hatte und der Prince of Wales darauf aufmerksam wurde. Und zum 80. Geburtstag von Queen Elizabeth II. bestellte ein Mitglied der königlichen Familie gleich drei Düfte. Für wen sie arbeite, sei ihr aber egal, beteuert Weisswange. Jeder könne bei ihr bestellen. Ein Eau de Toilette mit dem eigenen Namen ist ab 145 Euro zu haben.(cru)<<

    • beautyjagd sagt:

      Ein Duft von Kim Weisswange ist echt mein Traum 🙂 Kein Wunder, dass Kate und William sich von ihr beduften lassen… Da lag ich wohl mit meinem Bluebell-Tipp daneben 😉 Danke für den Artikel!

  • Lola sagt:

    Mein Lieblingsduft, der leideeeeeeeeeeeeeer nicht mehr produziert wird: Rose Absolue von Yves Rocher. Ein Klassiker: Chanel No 5. Mein neuester Fund: Prada Candy.

    Insgesamt rate ich allen, Yves Rocher zu testen. Eine wunderbare Marke, die ohne tierische Bestandteile auskommt und leidenschaftliche, sinnliche und sehr aufregende Düfte präsentiert. Irgendwas von YR gibt es immer, das meine momentane Laune beschreibt und mich somit angemessen repräsentiert. Ich liebe diese Marke!!