Duft, High End, Naturkosmetik

L’Artisan Parfumeur: Côte d’Amour

Die letzten Tage hat es hier viel geregnet und war trüb, und das an den längsten Tagen des Jahres. Ich bekam große Sehnsucht nach Sonne und Meer – was lag da näher, als den Duft „Côte d’Amour“ von L’Artisan Parfumeur aus meiner Testreihe auszuprobieren.

Die Côte d’Amour ist der südlichste Teil der Bretagne und reicht bis nach St. Nazaire. Dieser Abschnitt der Atlantikküste umfasst auch die Guérande, eine Salzmarsch, aus der das bekannte Fleur de Sel stammt. Viele Franzosen werden mit dem schönen Namen dieser Region sicherlich Erinnerungen an die Sommerferien verbinden.

Der Duft „Côte d’Amour“ wurde im Mai 2009 von L’Artisan Parfumeur lanciert. Zum Parfümhaus habe ich in diesem Post schon etwas geschrieben. „Côte d’Amour“ ist der zweite Duft von L’Artisan Parfumeur, der von Ecocert und Cosmebio zertifiziert ist. Er wird als „Eau de Toilette Naturelle“ bezeichnet.

Die Parfümeurin des Duftes ist Céline Ellena. Ihren Vater Jean-Claude Ellena kennt ihr schon, ich habe euch neulich seinen Duft „Un Jardin sur le Toit“ von Hermès vorgestellt. Ihr Stil soll dem des Vaters ähnlich sein, allerdings wird sie als experimenteller beschrieben.

Im Gegensatz zum Vorgänger-Duft der Bio-Linie von L’Artisan Parfumeur, dem „L’Eau de Jatamansi“, soll „Côte d’Amour“ weniger klassisch nach ätherischen Ölen riechen. Céline Ellena wollte einen Duft entwerfen, den auch Nasen mögen, die an synthetische Düfte gewöhnt sind.

Jetzt aber zum Test. Direkt nach dem Aufsprühen rieche ich nasses Holz. Sekunden später kommen kräuterige wie auch aquatische Noten mit salzigen Anklängen auf. Ein nostalgischer Matrosenduft fällt mir spontan als Assoziation ein 😉 . Außerdem habe ich ein Bild von Meerwasser bei Flut im Kopf, das die heißen Steine überspült. In der Luft schweben Düfte von sonnengetrockneten Küchenkräutern.

Es folgt eine süßliche, honigartige Note, die von Zypressenholz begleitet wird. Ein bisschen muss ich an den vanilligen Ton eines Barriques (ein Fass, in dem Bordeaux-Weine gelagert werden) denken. Nach einiger Zeit vermischen sich diese Komponenten zu einem leicht altmodischen Geruch von Sonnenöl mit einem Hauch Kokos auf sandiger Haut. Der Duft wird hochsommerlich.

Der Wechsel in den Fond vollzieht sich dann nicht mehr so abrupt wie der zwischen Kopf- und Herznote. Insgesamt wird der Duft nun ruhiger und harmonischer. Er changiert interessant zwischen süßlichen floralen Noten und harzigem Pinienholz. Zum Ende hin bekommt „Côte d’Amour“ eine fast pudrige, leicht algige Note.

Für mich fällt der Duft völlig anders aus, als ich ihn erwartet habe. „Côte d’Amour“ ist kein leichter und meeriger Duft (abgesehen vom Einstieg), sondern er ist warm und fast ambrig. Das Bild, das mir dazu einfällt, ist ein Pinienwald an der Atlantikküste, der von der Sonne stark erhitzt ist. In den Dünen, die an den Wald angrenzen, blühen intensiv süßlich duftende Büsche.

„Côte d’Amour“ ist kein eindeutiger Duft, er wechselt zwischen kräuterig, salzig, aquatisch, süß-floral und holzig-harzig. Die Riechprobe war äußerst abwechslungsreich, da sich der Duft laufend veränderte, bis er den sinnlichen Fond erreicht hat.

Bei einem Blindtest hätte ich „Côte d’Amour“ tatsächlich nicht für einen natürlichen Duft gehalten, der aus ätherischen Ölen besteht (wie z.B. die Düfte von Farfalla). Das Eau de Toilette hielt bei mir über vier Stunden, was ich für einen Naturduft schon beachtlich finde. Danach habe ich nur noch einen Hauch der holzig-süßen Noten des Fonds auf meiner Haut wahrgenommen.

Für das Protokoll hier noch die Duftkomponenten, die „Aus Liebe zum Duft“ angegeben hat:

  • Kopfnote: Salzblüte, Rosmarin, Grüne Mandarine
  • Herznote: Strohblume, Ginster, Zypresse
  • Basisnote: Ginster, Heidekraut, Pinie, Treibholz

Die konkreten Inhaltsstoffe konnte ich leider nirgends im Internet auftreiben. Sie sind jedoch von Ecocert und Cosmebio zertifiziert.

Das Eau de Toilette „Côte d’Amour“ kommt im 250 ml umfassenden, schlichten weiß-transparenten Glasflakon. Es wird für 50 EUR auf der offiziellen Homepage von L’Artisan Parfumeur angeboten, in deutschen Onlineshops habe ich „Côte d’Amour“ für 100 EUR gefunden. Ein überraschend hoher Preisunterscheid. Düfte von L’Artisan Parfumeur sind in spezialisierten Parfümerien (auch online) erhältlich.

Mein Fazit: „Côte d’Amour“ ist ein interessanter und sich stark verändernder Duft. Diese Komplexität hatte ich bei einem Eau de Toilette, das sich dem Thema Meer widmet, nicht erwartet. Auf mich wirkt „Côte d’Amour“ trotz der holzig-süßlichen Fondnote sommerlich. In kälteren Jahrenszeiten wäre die Entwicklung des Duftes wahrscheinlich weniger ausgeprägt ausgefallen. Deswegen mutmaße ich, dass „Côte d’Amour“ nicht mein Favorit der Testreihe wird, auch wenn mir der Duft insgesamt gut gefällt.

Kennt ihr den Duft? Könnte er euch gefallen? Mögt ihr Düfte, die aus ätherischen Ölen bestehen bzw. bio sind? Verwendet ihr im Sommer andere Parfüms als im Winter?

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7 thoughts on “L’Artisan Parfumeur: Côte d’Amour
  • Jana sagt:

    Als ich deine Zeilen zur Duftentwicklung las, dachte ich laut „oh mein Gott das muss ich haben“. So einladend schreibst du! Deine Bilder duften, und diese hier duften unheimlich gut und nach schönen Erinnerungen. Wenn du so weitermachst, kaufe ich mir auch diese Proben. Da eröffnen sich mir ja ganz neue Welten!

    • beautyjagd sagt:

      Danke, das ist ein tolles Kompliment, über das ich mich sehr freue 🙂 . Düfte sind natürlich immer etwas sehr Individuelles, sowohl wie sie sich auf der Haut entwickeln als auch welche Bilder man damit verbindet. Trotzdem denke ich, dass diese Nischendüfte in den meisten Fällen eine deutlich spannendere Entwicklung als die meisten „Douglas“-Düfte haben.

  • keimonish sagt:

    Schön hast Du das wieder geschrieben 🙂
    Dass der Duft sich so verändert, klingt wirklich interessant wobei ich nasses Holz eigentlich nicht so gerne rieche, dann warten müsste, wie er sich weiter entwickelt, um ihn zu mögen:-) Aber die Mischung wird`s dann machen?!, denn Pinie, Heidekraut und Ginster klingen gut für meine Nase :-D)

    Deine Beschreibung erinnert mich an einen Pinienhain in Spanien…..unser Hotel stand direkt neben dem Hain und der Duft war in unserem Zimmer und überhaupt überall gegenwärtig…und war direkt am Strand.

    Ich habe fast nur synthetische Düfte. Ich wechsle nach Lust und Laune. (nicht nach Jahreszeit) Früher hab ich immer gedacht, ich muss EIN Parfüm finden, womit ich mich absolut identifizieren kann und der Duft muss mich mein ganzes Leben begleiten……andere Leute mich schon am Duft erkennen können. 🙂 Ja, hab ich aber nur früher gedacht………………………:-D)

    • beautyjagd sagt:

      Ich hatte auch die Vorstellung, einen Signature-Duft über Jahre zu tragen. Dabei habe ich mich schon als Teenager so für Parfüms begeistert, dass ich damals schon an die zehn Fläschchen herumstehen hatte. Jetzt sieht es nicht besser aus, also habe ich mich von dem Gedanken verabschiedet. Auch wenn ich denke, dass Rosendüfte schon sehr gut zu mir passen. Zumindest im Winter, und damit geht es dann schon wieder los… 😉
      Nach Pinienholz riecht „Côte d’Amour“ auch, aber ebenfalls nach Zypressenholz. Ich liebe den Duft von Piniennadeln, leider habe ich davon noch kein Parfüm gefunden, das mich wirklich umhaut. Die ätherischen Öle, die ich habe, riechen eher nach Holz, nicht nach den Nadeln. Mich erinnert dieser Duft auch an Südfrankreich oder Spanien 🙂 .

  • Marta sagt:

    Eine wunderschöne Beschreibung….. hat mich an einen Urlaub erinnert den ich als junges Mädchen mit meiner Familie auf einer kleinen Insel gemacht habe : ))
    Den Duft würde ich für meine Mutter kaufen und falls er ihr nicht gefällt bin ja immer noch ich da!
    GLG Marta

  • […] Den ersten Duft („Côte d’Amour“ von L’Artisan Parfumeur) aus meiner Testreihe findet ihr hier. […]

  • […] erste Duft meiner Testreihe war „Côte d’Amour“ von L’Artisan Parfumeur, der zweite „Hyperessence Matale No. 12″ von der Parfumerie […]