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Globalisierte Nagellack-Trends

Nagellacke sind für türkische Frauen ein wichtiges Accessoire. In Parfümerien und Drogerien gibt es meistens ein großes Extra-Regal, in dem ausschließlich Lacke stehen. Die beliebtesten Marken sind Golden Rose, Alix Avien, Pastel und Flormar. Die Nagellacke dieser Marken kosten umgerechnet weniger als einen Euro.

Auffällig ist, dass bestimmte Farben besonders häufig angeboten werden. Die eine Hälfte des bis zu zwei Meter langen Regals besteht hier aus Perlmuttweiß, Creme und Pastellrosa in allen Schattierungen. Diese zurückhaltenden und natürlich wirkenden Farben sind leider so gar nicht mein Fall. Der andere Teil wird von kräftigen Rot- und Pinktönen dominiert. Da ich Pink liebe, werde ich hier bestimmt noch zugreifen. Die Finishes sind dabei cremig oder schimmernd.

Dazwischen gibt es einige wenige Lacke, die aus diesen beiden Farbwelten herausfallen: Ein kräftiges, schimmerndes Blau, ein transparenter Glitter-Lack (wie meiner hier von Golden Rose), ein Grünton oder ein cremiges Schwarz.

Interessanterweise habe ich in zwei weniger zentral gelegenen Istanbuler Stadtvierteln (Üsküdar und Şişli) Lacke gefunden, bei denen mir sofort klar war, dass die türkische Kosmetik-Industrie die aktuellen Trends aus Westeuropa genau verfolgt. Denn welche Namen fallen jeder Beauty-Liebhaberin ein, wenn sie die beiden Lacke von Pastel oben auf dem Foto sieht? Klar, Chanel „Paradoxal“ und „Particulière“. Bestimmt ist ein Dupe von „Black Pearl“ gerade in der Mache…

Hier ein leicht unscharfer Swatch des Pastel „69“, der die Farbe aber am besten einfängt:

Und auch die Farbe des Lacks „75“ war nicht so einfach einzufangen:

Es sind keine exakten Doppelgänger, aber woher die Inspiration stammt, ist ganz eindeutig.

Für mich ist es faszinierend, wie Chanel es im Moment schafft, globale Nagellack-Trends zu setzen. Im Alltag dominieren in Istanbul die klassischen Farben. Wer jedoch im Trend liegen möchte, greift definitiv zu den Chanel-Farben, ob im Original oder als günstigere Version.

Ich bin etwas zwiegespalten, was ich von globalisierten Trends wie diesem halten soll. Einerseits sieht man daran, wie modern die Türkei (insbesondere die Städte) mittlerweile ist, was mich sehr freut. Andererseits mag ich die Vereinheitlichung von Stilen und die Dominanz von westlichen Trends nicht so sehr. Das gilt nicht nur für Beauty oder Mode, sondern auch für andere Bereiche. Für mich ist es z.B. viel interessanter, in einem Istanbuler Imbiss Kokoreç zu essen, als bei Mc Donald’s einen Hamburger zu verzehren, der auf der ganzen Welt gleich schmeckt.

Was ist eure Meinung dazu? Habt ihr auch Lacke dieser Trendfarben bei euch im Schränkchen stehen? Oder tragt ihr Lacke nur nach eurem eigenen Stil?

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11 thoughts on “Globalisierte Nagellack-Trends
  • Naekubi sagt:

    Mann, du schreibst immer so, dass ich kommentieren muss! 😉
    Gerade bei Nagellacken gehe ich, soweit möglich, nach meinem eigenen Stil. „soweit möglich“ deshalb, weil man ja nur das kaufen kann, was angeboten wird:
    Denn wenn es keine Duochrome-Lacke wie in den 90ern bei Manhattan gibt, kann ich das eben nicht kaufen und muss mit meinen Vorräten vorlieb nehmen.
    Ich für meinen Teil kann diese Chanel-Trends meist nicht nachvollziehen. Ob Khaki vert, Black Pearl oder Particulière, die interessieren mich nicht. (Der Preis spielt da natürlich auch eine Rolle). Ich bevorzuge es lieber bunt als unbunt!

    • beautyjagd sagt:

      Mich interessiert ja auch sehr, was ihr Leserinnen so denkt, da freut es mich umso mehr, wenn sie was von sich schreiben 🙂
      Ich bin nicht ganz frei von Trendbeeinflussung auf den Nägeln, muss ich gestehen. Aber wenn Farben gar nicht gehen bei mir, dann würde ich sie nicht tragen, Trend hin oder her 😉 .

  • Rosa sagt:

    Ich bin erst seit kurzem zur Nagellackbenutzerin geworden und habe ( hier mache ich eine Ausnahme und benutze keine Naturkosmetiklacke)allerdings zwei Trendlacke von Chanel, „Jade Rose“ und „Paradoxal“, wobei mir „P“ zu dunkel ist und ich ihn nur ganz selten benutze. Die Farbe „Jade Rose“ ist sehr unauffällig, was mir mehr zusagt.
    Dann kaufte ich vor kurzem von Lauder, ebenfalls zwei Trendlacke, aus dem Weihnachtslook „Surreal Violet“ und aus dem aktuellen Look „Extravagant Pearl“. Alle nicht auffällig. Ich habe die Trendlacke genommen, da ich normalerweise nicht sämtliche Farben durchsehe. Es kommt mir nicht auf den Trend an, sondern mehr darum, dass mir die Farben gefallen.

    • beautyjagd sagt:

      Ich habe meine Leidenschaft für Nagellacke ja auch erst vor ungefähr 1,5 Jahren entdeckt, bin also auch noch nicht sooo lange dabei 🙂 .

  • […] der drei Pastel-Nagellacke habt ihr schon in meinem letzten Post gesehen. Dahinter steht auf dem Foto ein Nagellack-Entferner, der dem von Sephora gleicht. Ich habe […]

  • mpj sagt:

    Toller Post!

    Ich habe mich von keinen Trends, außer dem bösen TAUPE, verleiten lassen und besite bis heute stolzerweise keinen einzigen Chanel Lack. Bei dem Preis… ne, da muss mich schon was ganz Hartes auf dem Kopf treffen bis ich so viel Geld für Nagellack ausgebe.

    Und Lammdärme würde ich auch nicht essen… dafür liebe ich (!! LIEEEBE) Adana Köfte… *sabber* 😉

    Liebe Grüße!

    • beautyjagd sagt:

      Es ist so doof, dass ich zurzeit nicht auf deinen Blog kann :((( *heul* Aber schön, dass Du mich hier besuchst 🙂
      Du kannst echt stolz auf Dich sein, dass Du dich vom Chanel-Hype nicht hast mitreißen lassen. Ich bin da nicht ganz so standhaft 😉
      Und apropos Essen, hier in Istanbul kann man so gut essen, es ist der Wahnsinn… Liebe Grüße zurück!

  • Andreea sagt:

    Hmmmm… also bei den trendfraben von CHANEL habe ich nur den Kopf geschüttelt. Da bin ich Spießer – mit einer Ausnahme: den dunkelblauen nahm ich mit. Sehr punkig, mag ich. Da ich gegen die emisten lacke allergsich bin, schränke ich mich auf Chanel ein. Einen im Jahr 😉
    Und wenn es da so viele Nude Sachen gibt – ich suche 😉 etwas rosafarbenes mit feinem Schimmer, natürlich aber exquisit, nicht zu rośe blass.
    Chanel hat so etwas nicht – also gehe ich nackig.

    Eurozentrismus lässt sich leider überall beobachten – ausser in Europa. Da guckt man immer gene Westen – zu den Amis. Das meiste was man von dort importiert ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Globalisierung und Traditionsbewahrung konkurrieren und haben beide Vor- und Nachteile.

    Ich denke der Kern bleibt immer erhalten – man orientiert sich nach EU aber man bleibt dann doch „natürlich&pink“. Mix&Match und dabei sich selbst bewahren – das ist die Kunst des 21. Jhs.

    • beautyjagd sagt:

      Woran bemerkst Du denn deine Allergie? Dass Du einen Ausschlag bekommst? *neugierig frag*
      Soso, rosafarbig mit feinem Schimmer soll es sein, und exquisit dazu 😉
      Prinzipiell finde ich es übrigens gut, wenn sich Kulturen gegenseitig beeinflussen. Aber wie du so schön sagst, es geht gleichzeitig darum, das Eigene zu bewahren und trotzdem offen für Anderes zu bleiben. Liebe Grüße!

  • Olia sagt:

    die 57 sieht toll aus!

    LG