Branche, Naturkosmetik

Best of Naturkosmetik Branchenkongress 2014

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Zum dritten Mal habe ich in der vergangenen Woche den Naturkosmetik Branchenkongress 2014 in Berlin besucht. Im Jahr 2012 hatte ich auf dem Blog nur einen kurzen Abriss des Kongressprogramms gegeben, bin dann aber im Post mit dem Titel „Großzügigkeit macht schön“ noch auf einige Gedanken von Prof. Dr. Braungart eingegangen. Über die für mich interessantesten Vorträge des Branchenkongresses 2013 habe ich dann ausführlicher im letzten Jahr geschrieben.

Im heutigen Post möchte ich – thematisch geordnet – einige Punkte zusammenfassen, die mich dieses Mal spontan zum Stift greifen ließen. Subjektiv ausgewählt und selbstverständlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Naturkosmetik kaufen

In ihrem Vortrag über Handelsszenarien der Zukunft berichtete Dr. Susanne Eichholz-Klein, dass mittlerweile 32% der Kunden ihre Käufe im Internet vorbereiten. Die Rolle von Blogs, Foren, Youtube-Videos und Informationsportalen im Internet wird damit immer wichtiger.

Dass Händler sich selbst als Marke begreifen müssen, das empfahl Alexander von Keyserlingk in seiner Präsentation zum Slow Retail (die ich leider nicht selbst gehört habe). Außerdem stellte er fest, dass Kunden Umgebungskäufer sind – dem kann ich absolut zustimmen. Ich fühle mich z.B. nicht wohl, wenn ich Naturkosmetik bei Douglas kaufe. Und auch Online-Shops müssen für mich eine passende Atmosphäre ausstrahlen, so dass mir das Einkaufen dort Spaß macht und ich wiederkehre.

Frauen und Männer legen im Netz ein unterschiedliches Kaufverhalten an den Tag, beschrieb Sandra Kröger in ihrem Vortrag „E-Commerce: Kaufrausch im Netz“. Frauen brauchen vor dem Kauf viele Informationen und legen Wert auf Details – viele Shops sind noch immer zu sehr dem typisch männlichen Kaufverhalten angepasst. Im sich anschließenden Praxisbeispiel von Mandy Heindke und Marie Christine Schmidt vom Online-Shop Najoba wurde netterweise als Beispiel für die enge Zusammenarbeit mit Bloggern erwähnt, dass ich einmal monatlich einen Newsletter für den Online-Shop verfasse – was mich sehr gefreut hat.

Zukunft der Naturkosmetik

Von einem weiterhin starken Wachstum der naturnahen Kosmetik und der zertifizierten Naturkosmetik berichtete Elfriede Dambacher (Organisatorin des Branchenkongresses) in ihrem Vortrag zu Daten und Fakten des Marktes: 2013 wuchs der Naturkosmetikmarkt um 7% und nimmt damit über 7% des gesamten Kosmetikmarktes in Deutschland ein. Die Prognosen für das Jahr 2014 fallen ebenfalls positiv aus.

Vier Szenarien für die Naturkosmetik im Jahr 2025 spielte Betty Santonnat vom französischen Label Cosmebio durch. So könnte die Naturkosmetik z.B. als Vorbild der Kosmetikbranche hinsichtlich sozialer und ökologischer Standards gelten – oder aber vom Massenmarkt überrollt werden.

„Naturkosmetik trifft Lifestyle“ war das Thema Lola Güldenberg, die über Trends berichtete. Spannend fand ich die von ihr angesprochenen Punkte „Partizipation“ und „Do-it-all“: Kunden bringen sich deutlich stärker als bisher ein, sie nehmen vermehrt Kontakt mit Firmen auf und entwickeln sich selbst zu Experten. Für die Führung einer Marke bedeute das, dass man sie nicht mehr (wie früher) komplett kontrollieren könne.

In seinem Vortrag „Zurück zur Zukunftsfähigkeit – Wege in eine andere Moderne“ griff Prof. Dr. Harald Welzer einige Aspekte aus seinem Buch „Selbst denken, Anleitung zum Widerstand“ auf. Vor Ort ging er ausführlich auf den so genannten performativen Widerspruch ein: Menschen wissen darüber Bescheid, dass die Ressourcen knapper werden, machen aber weiter wie bisher. Entwickelt habe sich in westlichen Ländern lediglich eine gut florierende Besorgnisindustrie. Er rät zu Reduktion (nicht zu grünem Wachstum) und empfiehlt jedem Einzelnen, grundsätzlich genauer auszuwählen, was man in sein Leben lassen möchte: Entscheide bei einem Einkauf eigentlich ich selbst oder überlasse ich das Denken etwa einer App? Verbringe ich letztlich mehr Zeit mit der Konsumentscheidung als mit den erworbenen Dingen?

Naturkosmetik Marketing

Im Vortrag von Elfriede Dambacher über den aktuellen Status des Naturkosmetikmarkts fiel das Stichwort Lifestyle of Resilience: Kunden sind bei der Auswahl ihrer Produkte nicht dogmatisch, sie kaufen sowohl im Bioladen als auch im Supermarkt, erwerben Naturkosmetik als auch konventionelle Kosmetik.

Mark Wuttke aus den USA verglich den globalen Anstieg des Bewusstseins für Inhaltsstoffe mit dem Durchlauf eines Schulsystems: Nach der Elementary School folgt die High School, schließlich das College. Ein Zurück im Wissen gibt es nicht – Informationsweitergabe und Bildung sei für die Naturkosmetik-Branche entsprechend eine sehr wichtige Aufgabe.

In einigen Präsentationen oder Wortmeldungen bei der Podiumsdiskussion wurde das Marketing der konventionellen Marken als Vorbild für die Naturkosmetik-Branche heraufbeschworen. Meiner Meinung nach sollte man selbstverständlich genau wissen, was Chanel&Co in Sachen Marketing und Vertrieb machen, ich bin jedoch gleichzeitig eine große Verfechterin des Beschreitens von eigenen Wegen (die natürlich zur jeweiligen Marke passen müssen).

Auch Siegel sind Teil des Marketings von Naturkosmetik, und dazu gehört in Deutschland auch der Ökotest, der bei Kunden hohes Vertrauen genießt. Letzterer hat seine eigenen Kriterien aufgestellt, Ökotest-Chefredakteur Jürgen Stellpflug stellte sich den Fragen von Elfriede Dambacher und dem Publikum.

Inhaltsstoffe und Verpackung

Über Öko-Verpackungsdesign berichtete Aude Charbonneaux von der Firma Albéa. In die Bewertung der Nachhaltigkeit einer Verpackung fließen nicht nur die eingesetzten Rohstoffe, sondern auch der Herstellungsprozess, der Transport und das Recycling nach Verbrauch des Produkts ein.

Um die Rohstoffsicherung ging es im Vortrag von Gerald A. Herrmann. Dass 30-40% aller Lebensmittel weggeworfen werden, ist einer der Gründe für die zunehmende Ressourcenknappheit. Letztlich sei die Kosmetikbranche nur ein Trittbrettfahrer der Lebensmittelindustrie. Um volle Kontrolle über die Herkunft der Rohstoffe zu haben, empfiehlt Herrmann den Naturkosmetikherstellern firmeneigene Rohstoffprojekte.

Dr. Gerrit Schlippe von Dermatest stellte verschiedene Testmethoden für die Wirksamkeit von Kosmetik vor. Das können z.B. Messungen des TEWL (transepidermaler Feuchtigkeitsverlust der Haut), der Sebumetrie (Fettgehalt der Haut) oder der Cutometrie (Elastizität der Haut) sein. Aus ihrer Erfahrung könne Dr. Schlippe wenig Unterschiede in der Effizienz von konventioneller Kosmetik und Naturkosmetik feststellen.

beautyjagd-hotel-bernstein

Und wie vor zwei Jahren habe ich am letzten Tag schnell noch ein Foto von mir gemacht – dieses Mal im Eingangsbereich meines kleinen Hotels in der Nähe des Kongresshotels.

Weitere Zusammenfassungen des Naturkosmetik Branchenkongresses finden sich bei Trend Traveller (auf Englisch).

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesen 14 Punkten ein bisschen auf den Naturkosmetik Branchenkongress mitnehmen! Welche Vorträge wären für euch besonders spannend gewesen oder haben nun euer Interesse ausgelöst?

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43 thoughts on “Best of Naturkosmetik Branchenkongress 2014
  • Testgitte70 sagt:

    Du hast deine Haare etwas länger ? Das sieht total hübsch und viel weicher aus :-) Die Vorträge hören sich alle sehr „trocken“ an. Es könnte aber auch daran liegen, dass Montag vormittag ist und ich entsprechend lustlos bin :-))))))

    • beautyjagd sagt:

      Auf dem Kongress waren meine Haare (für meine Verhältnisse) schon ganz schön lang 😉 Am Freitag war ich beim Friseur – aber ein bssichen länger udn weicher/fransiger als sonst trage ich sie zurzeit tatsächlich!
      Und der Kongress war eben ein Fachkongress, da muss es schon fachlicher zugehen, hihi. Für mich war das alles sehr spannend :)

      • Sonny sagt:

        Ich finde auch, dass du weicher bzw. sanfter aussiehst mit den etwas längeren Haaren, gefällt mir sehr! Zudem ist es ein hübsches Foto, auch wenn oder gerade weil du etwas nachdenklich – verträumt darauf wirkst. 😉

      • beautyjagd sagt:

        Das machen bestimmt die vielen Spiegelungen, da muss ich verträumt gucken 😉

  • Ellalei sagt:

    Da klingt einiges sehr spannend!!! Danke für diese Verknappung, so wird es übersichtlich und wer mag kann sich einzeln ja noch tiefergehend beschäftigen.
    Mich sprechen die Punkte besonders an, wo es um den Konsumenten als Experten geht (das erlebt man hier ja sehr geballt) und sein Verhalten, aber auch deren Anforderungen an Händler (oha, Frau Naturdrogerie wird es wissen) sowie das Thema Rohstoffe und herstellereigene Produktion bzw. Rohstoffprojekte. Dazu würde ich gerne mehr lesen.
    Ich frage mich nicht selten, wo all die (Bio-)-Rohstoffe ganz genau herkommen und ob die Herstellung und Weiterverarbeitung wirklich immer so vorbildlich ist, wie Siegel und Versprechen es ausloben. Und gemessen am Wachstum der Branche: Können wir überhaupt verwirklichen, was für die Umwelt wichtig und richtig wäre? Ist nicht auch NK ein Wirtschaftszweig, der Massenproduktion und billige Lohnhersteller nach sich zieht? Na klar! Das Szenario des Überrollens vom Massenmarkt macht mich schaudern. Außer, wenn dafür die KK verschwindet bzw.nicht mehr DIE Rolle spielt. Aber dafür sind Utopien ja da, man darf träumen…

    • beautyjagd sagt:

      Ja, an der Verknappung/Verdichtung der vielen Informationen bei so einem Kongress saß ich eine Weile… soll ja dnan auch für Mescnhen interessant und anregend sein, die vielelicht nicht ganz so drin sind. Obwohl hier ja viele Leserinnen ein ganz schön großes Know How haben – ganz nach dem Trend, der eigene Experte zu sein :) .

  • Birgit sagt:

    Wow, super Zusammenfassung, vielen Dank, und so viele spannende Themen, mich hätten sie alle interessiert.
    Besonders jedoch, der von Prf. Welzer, das Buch muss ich mir unbedingt mal näher ansehen.
    Ganz spannend finde ich immer, wenn Firmen eigene Rohstoffprojekte aufziehen. Da frage ich mich, wie entwickelt man so ein Projekt, gerade, im Ausland. Wendet sie die Firma an die GTZ oder wie findet man Bauern oder Kooperativen, die kbA anbauen wollen. Von wirtschaftlichen Dingen habe ich so gar keine Ahnung.

    Übrigens, tolles Foto, gefällt mir sehr gut.

    • beautyjagd sagt:

      Ein praktisches Beispiel, wie man Rohstoffprojekte aufbaut, bot auf dem Kongress Dr. Bronner. Dr. Gero Leson (von Dr. Bronner) berichtete von ganz schön viel Aufwand und auch Anlaufschwierigkeiten, bis schließlich alles steht. Dr. bronner hat ein Team an Leuten, die interntional vor Ort bei den Projekten sind.
      Und ja, das Buch von Harald Welzer bietet viele Denkanregungen. Es ist nicht unbdeingt ganz stringent geschrieben, für mich eher eine insprierenden Gedankensammlung.

  • Noemi B. sagt:

    Klingt wirklich spannend! Mich interessieren Rohstoffsicherung und dann auch die Testmethoden. Aber auch Partizipation und Verbraucher als Experten sind hoch interessant… wir haben ja hier einige Expertinnen und ein paar Spezialgebiete 😉
    Gerne würde ich auch die Herstellkette eines Produkts nachverfolgen können, wir können uns ja den Luxus leisten, etwas mehr für ein faires Produkt zu zahlen, das wir lieben. Wenn ich weiss, dass der Rohstoffbauer damit auch einigermassen gut leben kann, freut mich das umso mehr.

    Tolles Foto, 20-fach Julie :-)

    • beautyjagd sagt:

      An dem herrlichen Hauseingang konnte ich nicht ohne Foto vorbeilaufen :)
      Für mich ist die Herstellerkette auch sehr wichtig – bei Primavera spielen Rohstoffprojekte auch ein ganz große Rolle (was man meiner meinung nach im Marketing durchaus noch mehr rausstellen könnte).

  • Danke für den schönen Einblick in den Kongress, manches hört sich für mich etwas zu theoretisch an, anderes dafür wieder sehr spannend. Wie sich die NK-Branche wirklich weiterentwickeln wird, kann wohl keiner genau vorhersagen, es bleibt also spannend.

  • Really interesting article!! x

  • Ava sagt:

    Mich hätten da vor allem die Frage nach Herkunft und Herstellung der Rohstoffe interessiert und das Thema Verpackungen. Bei den meisten Produkten ist mir immer noch viel zu viel „drumherum“. Packungsbeilagen wie z.B. bei Hauschka braucht es meiner Meinung nach bei Kosmetik nicht. Die Tests finde ich persönlich jetzt nicht so wichtig – das geht mir zu sehr in Richtung konventioneller Kosmetik, wo dann ja gerne mit 87 % mehr Feuchtigkeitsanreicherung in 7 Tagen (und im Kleingedruckten steht dann: getestet von 3 Frauen) oder so geworben wird. Tests in Richtung Verträglichkeit sind das eine, an der Effektivität von Cremes in puncto Anti-Aging etc. habe ich sowieso meine Zweifel. Außerdem ist es ja wirklich so: Des einen „heiliger Gral“ ist des anderen Pickelbeschleuniger 😉 Mit anderen Worten: Jede Haut ist anders.

    • beautyjagd sagt:

      Verpackungen und Rohstoffe, das sind echt zwei sehr komplexe Gebiete… Bei Verpackungen spielen zB gesetzliche Vorgaben auch eine Rolle (wenn die neue Duftstoffverordnung kommt, werden einige Firmen auf Beipackzettel ausweichen müssen). Und spannend fand ich zB auch den Aspekt, dass Produkte mit Textur eines Schaumes beim Verbrauch weniger Wasser benötigen als klassische Seifen – weshalb Pumpschaumspender für Produkte evtl sinnvoller sein könnten als ich es bisher gedacht habe.
      Und ich persönlich habe es mit den Wirksamkeits-Tests auch nicht so – vielleicht ist es aber gut zu wissen, dass die Performance sich bei konventioneller und Naturkosmetik gar nicht mehr so sehr unterscheidet. Es wurde im Nachgang auch diskutiert, wie man sich da „gegen“ die konventionelle Kosmetik positioniert, viele Kundinnen seien es eben schon gewohnt, solche Studien zu sehen.

  • Lara sagt:

    Vielen Dank für deinen spannenden Bericht. Ich würde am liebsten noch viel Ausführlicheres davon lesen, das würde aber ja den Rahmen dieses Blogs sprengen. Die Themen sind umso interessanter, weil sie ja nicht nur auf Naturkosmetik zutreffen. Kaufverhalten – Kunden werden zu Experten, – kann die Naturbranche allgemeine Standards setzen oder wird sie vom Massenmarkt überrollt, das gilt für viele andere Branchen genauso.
    Ich finde, dass Prof. Welzer in seinem Buch sehr recht hat. Es gibt kein unbegrenztes Wachstum. Egal ob „grün“ und „fair“ oder konventionell, die Ressourcen sind begrenzt. Reduktion ist angesagt. Das ist schwer für uns alle, aber wohl auf lange Sicht nicht zu vermeiden.
    Und eine Sache war mir bisher noch gar nicht bewusst.
    Verbringe ich letztlich mehr Zeit mit der Konsumentscheidung als mit den erworbenen Dingen? Ja. Genau das mache ich. Wie oft hänge ich auf Seiten von NKShops in aller Welt rum nur um zu sehen, was es dort Schönes gibt. Und wenn es dann da ist, ist es nicht mehr so spannend, wird benutzt und die Suche geht weiter nach neuen schönen Sachen.

    • beautyjagd sagt:

      Über den Aspekt mit den Konsumentscheidungen habe ich auch nachgedacht! Ich verbringe letztlich auch sehr viel Zeit damit, mir vor einem Kauf alles mögliche durchzulesen. (Letztlich machte mir das beim Thema Beauty sogar so viel Spaß, dass ich es zu meiner Profession gemacht habe.) Wenn ich dann beim Fachsimpeln aber noch mit anderen Menschen in Kontakt komme, die sich für das gleiche Gebiet wie ich interessieren, dann finde ich das gar nicht mehr so negativ, weil da noch weitere menschliche Aspekte hineinspielen… Toll finde ich an dem Buch von Harald Welzer, dass es so viele Anregungen zum Nachdenken bietet – aber nicht immer bin ich ganz und gar seiner Meinung.
      Und ich glaube ja übrigens nicht, dass Menschen sich von selbst reduzieren werden, da wird davor noch was passieren (in den Köpfen), so dass es wieder akttraktiver wird, weniger zu konsumieren – und die wenigeren Dinge wieder mehr wertzuschätzen.

  • Alex sagt:

    Danke für die tolle Zusammenfassung!
    Das Buch von Prof.Dr. Welzer habe ich soeben bestellt. Der Aspekt des „perforierten“ (danach habe ich mir dann doch mal die Brille aufgesetzt 😉 ) Widerspruchs ist nämlich im ökologischen Bereich etwas, was mir schon länger sehr missfällt. Schlagworte wie Nachhaltigkeit sind mittlerweile eher zum Schimpfwort für mich verkommen. Letztendlich geht es den meisten Kunden und Unternehmen nur um den Konsum, der muss dann halt mit den entsprechenden Verkaufsargumenten legitimiert werden.
    Auf Siegel und Zertifizierungen achte ich beim Einkauf überhaupt nicht, Demeter und Bioland einmal ausgenommen. Alle anderen sind von den Standards so ausgelegt, dass möglichst viele Produkte im unteren Bereich zertifiziert werden können. Und wer bitte vertraut denn Ökötest? Eigene Kriterien, ja, hehe.
    Rohstoffe selber zu fördern und zu produzieren klingt paradiesisch, ist bei der Umsetzung aber nur schwer oder in Teilen zu realisieren, wobei alteingesessene Unternehmen da einen Vorteil hinsichtlich Kapital und Verbindungen haben.
    Und mir gefallen die „längeren“ Haare auch.

    • beautyjagd sagt:

      Tja, der Ökotest – ich habe mich übrigens in der Fragerunde zu Wort gemeldet und nachgefragt, weshalb seit neuestem (Mai 2014) Silikone in der Haarpflege nicht mehr abgewertet werden. Leider bekam ich keine Antwort, ich habe jetzt nochmals per Mail nachgefragt.
      Und für eine Naturkosmetikfirma ist es nicht einfach, den Spagat zwischen dem kritischem Blick auf den Konsum und dem Verdrängungswettbewerb auf dem Kosmetikmarkt zu bestehen. Ich bin mir auch noch nicht im Klaren, wie man das am besten macht, ohne komplett von L’Oreal&Co vom Markt gefegt zu werden.

      • Alex sagt:

        War die Antwort des Herrn „politisch“ sprich eine fünfminütige Antwort ohne Sinn und Inhalt oder eher vorgetäuschte Unwissenheit? Einen Chefredakteur sollte man vielleicht auch nicht mit so extrem komplexen Fragen behelligen. Passt auf jeden Fall ins Bild des Magazins. Schön, dass Du mal nachgehakt hast…

      • beautyjagd sagt:

        Er wusste nicht, dass Silikone in Haarpflege nicht mehr zur Abwertung führen, war sich aber sicher, dass es eine Begründung gibt, wenn es so ist. Nur fand ich die Begründung im Heft mehr als lau…

  • vetter it sagt:

    toll schaust du aus!

  • Lena sagt:

    Danke für die Einblicke in so viele unterschiedliche Themenbereiche! Zu etlichen davon hätte ich mir die Vorträge gern angehört.

    Was mich interessieren würde: Gab es an den Ökotest-Menschen auch kritische Fragen bezüglich ihrer äh interessanten Bewertungskriterien, Stichwort: Silikone in Haarspülungen? Denn spätestens seitdem fehlt mir persönlich jegliches Vertrauen. Früher, bevor ich mich intensiver mit NK beschäftigt habe, habe ich beim Einkauf durchaus auf das Ökotest-Siegel geachtet und bevorzugt gut bewertete Produkte gekauft. Erst neulich habe ich bei meinen Eltern noch eine uralte mit „gut“ bewertete Bodylotion voller Parabene entdeckt (und direkt in den Müll geworfen).

    „Besorgnisindustrie“ trifft es leider echt sehr gut! Wobei ich auch schon genügend Leute kennen gelernt habe, die nicht mal besorgt sind, sondern denen das alles schlicht und ergreifend egal ist. Oder die, die sagen, „Bio“ sei ihnen zu teuer, sich aber mindestens alle 12 Monate das neueste Handymodell etc. kaufen. Letztlich ist das also (auch) eine Frage, wie man seine Prioritäten setzt. Aber ich fasse mir da durchaus auch an die eigene Nase und will nach der aktuellen Aufbrauchphase nicht direkt wieder alles nachkaufen, sondern lieber ein paar besondere ausgewählte Schätzchen.

    • Lena sagt:

      Ah, ich sehe gerade, ich war zu lahm beim Schreiben und du hast eben schon was zu den Silikonen bei Ökotest geschrieben. Find ich super, dass du da nachgefragt hast!

      • beautyjagd sagt:

        Ich war etwas enttäuscht, dass Herr Stellpflug nichts dazu sagen konnte/wollte – aber mal gucken, ob ich noch eine Antwort per Mail bekomme, man muss ja auch nicht immer alles im Kopf haben.
        Und ja, das mit den Prioriäten kann ich nur unterschreiben, geht mir ja nicht anders. Ich setze sie mittlerweile sehr stark, und überlege genau, wofür ich mein Geld ausgebe (zB Essen, Beauty, Reisen), und wofür nicht (zB Kleidung, Auto, Technik). Macht mir das Leben einfacher und schöner :)

  • Huuhuu! Ich melde mich aus der hochzeitlichen Versenkung zurück! 😀 Jetzt komme ich dazu, hier auch wieder zu lesen und zu schreiben.

    Danke für den tollen Überblick und die kompakten Infos! Klingt nach einem spannenden Kongress mit jeder Menge Stoff zum Nachdenken. Mich hätten vor allem die Inhalte aus dem ersten Block rund um den NK-Konsum sehr interessiert.

    Mein Immunsystem ist jetzt nach der Hochzeit übrigens parallel zum sinkenden Stresspegel zusammengeklappt – ich bin den Rest der Woche krank geschrieben. Da werde ich mich mal schön von meinem Mann (huiii, aufregend) pflegen lassen. 😉

    Liebe Grüße
    Ida

    • Ava sagt:

      OOOOOOOOOOHHH! Herzlichen Glückwunsch und eine glückliche Ehe! Um es mit Lenny Kravitz zu sagen: Let Love Rule! :-)
      Und gute Besserung fürs Immunsystem …

    • Ellalei sagt:

      Das glaube ich dir gerne, Ida. ich war auch fix und fertig mit allem nach diesem „Projekt“ 😉 Dann ruh dich so richtig schön aus und ja, lass den Mann mal machen! Auch von mir herzlichste Glückwünsche!!!

      • „Projekt“, das trifft es – Großprojekt in dem Fall. 😀 Lieben Dank für deine Glückwünsche – ich lasse mich grade bekochen und mache dann einen ausgiebigen Mittagschlaf. 😉

        Liebe Grüße,
        Ida

    • Petra sagt:

      Boff! Das musste ich erst mal sacken lassen und mehrmals lesen. Mir würde noch tagelang der Schädel schwirren…

      Wie wir es auch drehen und wenden, ich bezweifle, dass der Bedarf aller tatsächlich durch ökologische Produkte gedeckt werden kann, weder für Lebensmittel noch für Bekleidung oder Kosmetik. Leider erschreckend!

      Zwar versuche ich grundsätzlich schon, möglichst ressourcenschonend zu leben, aber z. B. bei Kosmetik schlage ich regelmäßig über die Stränge – auch wenn ich nach wie vor alles aufbrauche oder weitergebe. Aber ganz bestimmt brauche ich nicht wirklich eine Foundation für 40 Ocken. Selbst wenn ich eine Foundation wirklich bräuchte- müsste die nicht so teuer sein…

      Das mit Ökotest finde ich ja schon eigenartig, aber offensichtlich nicht unüblich. Ich habe ja den Eindruck, dass kritische Verbraucher gelegentlich eher als lästig empfunden werden. Du als bekannte Bloggerin hast da natürlich noch einen anderen stand, aber Endverbraucher werden nur von einem Teil der Hersteller Ernst genommen, bei Händlern sieht es da schon ganz anders aus. Ganz extrem habe ich das ja nun selbst gerade mit meiner bisher heiß geliebten Weleda erlebt. Die Firma gibt es ja schon sehr lange und da fällt es offenbar besonders schwer, sich den neuen Marktgegebenheiten anzupassen und mit den Kunden anders als früher zu kommunizieren:
      Nachdem ich ja beim letzten Besuch im Weleda-Store schon wieder fotografiert wurde (dieses Mal gemeinsam mit Ellalei und Kerstin), habe ich nach unserem Treffen nochmals an die PR-Abteilung geschrieben. Auf diese Mail habe ich noch nicht einmal mehr eine Antwort erhalten…
      Leider geht so wieder eine Marke raus aus meinem persönlichen Sortiment – und immerhin die, bei der ich am längsten treue Benutzerin bin, immerhin fast 49 Jahre. Aber eine Firma, die sich einen Dreck um meine Persönlichkeitsrechte als Kundin schert, wird mit den Beschäftigten und Zulieferern ähnlich umgehen.

      • beautyjagd sagt:

        @Petra: Mir schwirrt der Schädel auch noch immer, ich musste mich am Donnerstag und Freitag erst mal wieder gedanklich sammeln!
        Ich glaube übrigens nicht, dass Herr Stellpflug schon mal von mir gehört hatte.
        Und das mit Weleda finde ich echt schade, wahrscheinlich reichen die Kommunkationsressourcen überhaupt nicht mehr aus, was natürlich nicht toll ist. Ich bin übrigens mittlerweile hart im Nehmen, was Unprofessionalität der Marken zB im Umgang mit Bloggern angeht, sonst könnte ich über manche Marken gar nicht mehr berichten… Gibt aber auch vorbildliche Beispiele :) !

      • Petra sagt:

        War mal eine Firma so dreist, dich ungefragt und heimlich beim Einkaufen zu fotografieren und das Bild zu Werbezwecken zu veröffentlichen? Ich bin immer noch am Überlegen, auch rechtlich dagegen vorzugehen.

      • beautyjagd sagt:

        Glücklicherweise nicht! Find das schon auch echt übergriffig, da kann ich Dich gut verstehen. Nur hätte ich echt keine Lust auf den Stress mit Anwalt&Co. – ich verstehe echt nicht, dass die Pressestelle von Weleda Dir da keine Antwort gibt–

      • Ruth sagt:

        @ Julie, sorry, aber ich finde nicht, dass Du es bei Deinem Standing und Deinen Klickraten notwendig hast, hart im Nehmen zu sein. Schließlich triffst Du allein die Auswahl aus einem Meer an Produkten – nach Deinem Ermessen und im Sinne Deiner Leserinnen. Ich denke, wir können auf eine Berichterstattung über arg unprofessionell agierende Unternehmen auch gut verzichten. Es gibt ja noch so viele andere Anbieter mit tollen Produkten und guten Manieren. 😉

      • beautyjagd sagt:

        Das stimmt schon – und wer sich völlig daneben benimmt, hat es auf meinem Blog sicher schwer, erwähnt zu werden 😉 . Aber es gibt so diese Graustufen dazwischen… da habe ich für mich beschlossen, dass ein interessantes Produkt letztlich vor PR geht.

    • beautyjagd sagt:

      Ida, da bist Du wieder :) :) Ich hoffe, ihr hattet ein wunderbares Fest, so dass sich der Stress davor gelohnt hat :) Und natürlich die herzlichsten Glückwünsche!!! Hoffentlich geht es Dir bald wieder besser, ich kenne das auch, dass nach Stressphasen sich gleich eine Erkältung die Bahn bricht. Lass Dich schön umsorgen :)

      • Danke dir! :) Jaaa, der Stress hat sich definitiv gelohnt – unser Tag war rundum einfach toll, emotional, stellenweise lustig, abends sehr ausgelassen und insgesamt absolut gelungen. :)

    • Petra sagt:

      Willkommen zurück, Ida! Ich hoffe mal, dein Kerl ist es wert 😉 So ein Streß!

      Sorry. mein Kommi zu Julie ist bei dir gelandet, ich habe zwar nicht geheiratet, aber der neue Kerl bei meinem Job schafft mich auch 😉

      • 😀 😀 Kein Problem, Petra! Und danke fürs Willkommen heißen, ich freue mich, wieder hier zu sein (obwohl ich ehrlich gesagt nicht so richtig Zeit hatte, euch alle hier zu vermissen, haha). :)

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