Reise

Hallo Hong Kong (7): Umbrella Revolution

hong kong umbrella revolution

Ich bin nach einem langen Flug wieder gut zu Hause angekommen und möchte heute noch einen letzten Beitrag meines Hong Kong-Tagebuchs online stellen – die Zeit war vor Ort einfach zu knapp und reichte nicht aus, all meine Eindrücke zu bebloggen.

In den Kommentaren wurde ich öfter gefragt, ob ich denn in Hong Kong etwas von der Umbrella Revolution mitbekommen habe. Ein wenig, ist meine Antwort. In den Stadtteilen Causeway Bay, Admirality und Mong Kok sind weiter einige Abschnitte der Hauptstraßen gesperrt, auf denen Zeltlager errichtet wurden und mittlerweile auch Kunstwerke stehen.

Nun ist dadurch aber keinesfalls das gesamte sonstige Leben in Hong Kong lahm gelegt, die Gehwege sind frei zugänglich, viele Buslinien müssen jedoch umgeleitet werden. Je nach Lage der Zeltlager wird um die Barrikaden herum fleißig geshoppt, junge wie ältere Passanten betrachten die abgesperrten Straßenteile neugierig, laufen zwischen den Zelten herum und schießen viele Fotos und Selfies. Auch die diversen Fernsehsender sind mit Kameras vor Ort vertreten.

An den Wänden der umliegenden Häuser wurden Zeitungsausschnitte, beschriebene Zettel und Zeichnungen aufgehängt, die von den Vorbeigehenden neugierig gelesen werden. Kreative Umsetzungen des Schirmmotivs oder aber Manga-inspirierte Zeichnungen (wie oben auf dem Foto) haben mich beeindruckt. Ich habe einige Zeit damit verbracht, die originellen Kunstinstallationen zu betrachten.

Innerhalb der Barrikaden versammeln sich immer wieder kleine Grüppchen, die einem Redner zuhören. Vielleicht eine Art Demokratie-Teach in? Leider kann ich wegen der Sprachbarriere wenig dazu sagen.

Die sichtbare Polizei-Präsenz an den neuralgischen Stellen ist hoch, beschränkte sich aber auf die bloße Anwesenheit, als ich vor Ort war. Ich habe mich gefragt, wie es wohl wäre, wenn in München die vielbefahrene Leopoldstraße oder in Köln der Ring dauerhaft von Demonstranten besetzt wäre. Wie würde unsere Regierung reagieren?

Und so sind auch nicht alle Bürger in Hong Kong davon begeistert, dass Zeltlager auf der Straße die Verkehrswege behindern. Während meines Aufenthaltes in Hong Kong kam es nachts immer wieder zu Konfrontationen, wie ich im Internet nachlesen konnte.

Insgesamt habe ich die Stimmung in den Zeltlagern als friedlich empfunden, ich fühlte mich stellenweise sogar an ein ernsthaftes Kunst-Festival erinnert. Meinem Eindruck nach lag in der Luft sowohl ein wenig Anspannung als auch die Hoffnung und Lust auf Veränderung. Außerdem der Mut, buchstäblich neue Wege zu gehen und die Motivation, die Zukunft Hong Kongs mitzugestalten.

Beim Anblick der vielen Zelte auf der sonst von unzähligen Bussen und Autos befahren Straße musste ich darüber nachdenken, wem letztlich eigentlich die Straße gehört – und was wir hier in Europa von der Umbrella Revolution lernen können.

Mit diesem letzten Beitrag werde ich meine Serie „Hallo Hong Kong“ nun abschließen, wer weiß, vielleicht gibt es ja mal eine Fortsetzung… Habt einen schönen Sonntag!

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17 Kommentare

  1. Liebe Julie,

    vielen Dank für all Deine Hong Kong Beiträge und dass Du uns sozusagen mit auf Reisen genommen hast. Besonders angetan hatte es mir der Bericht über die Insel vor Hong Kong, die du besucht hattest, was für ein toller Kontrast!
    Ich kann mir vorstellen, dass es jetzt erstmal wieder ein Kulturschock ist zurück in Deutschland zu sein und dass Du einige Tage brauchen wirst, um wieder anzukommen 🙂

    Bei mir hat sich in der letzten Woche nicht viel getan, aber gestern bin ich wenigstens endlich dazu gekommen auf Facebook eine Gruppe für uns zu eröffnen, die Naturkosmetikbörse, wo wir uns fleißig austauschen können, so wie Produkte tauschen und verkaufen können. Hier ist der Link für Interessierte:

    https://www.facebook.com/groups/naturkosmetikboerse/

    Ich wünsche Dir noch einen erholsamen Sonntag!

    • beautyjagd sagt am 2. November 2014

      So langsam komme ich wieder an, ich habe sehr viel geschlafen die letzten beiden Nächte – und ich brauche wirklich immer eine Weule, bis ich wieder ganz da bin. Auch mein Lebensrhythmus ist auf Reisen ja ein ganz anderer als hier. Ich merke dann immer, was für Gewohnheitstier ich so bin 😉 .
      Und schöne Idee mit der Facebook-Gruppe 🙂

  2. Liebe Julie,

    vielen Dank, dass du uns hast mitreisen lassen. Wie immer war es abwechslungsreich und spannend, auch wenn Naturkosmetik nicht die erste Geige gespielt hat. Ich bin immer wieder erstaunt, dass Naturkosmetik aus dem deutschsprachigen Raum doch eine führende Rolle spielt und überall auf der Welt so beliebt ist.

    Nur ein Wunsch ist für mich offen geblieben, ich hätte gerne mit dir eine „landestypische“ Kosmetikbehandlung genossen, ganz à la Sauna im Mökki, Onsen und Nachtigallen-Poo-Maske (hast du uns ja leider auch nicht gegönnt, die Bilder hätte ich zu gerne gesehen 😉 )…

    Hach, und deine Kooperation ist wieder herrlich, ich konnte mich nicht zurückhalten!

    LG Petra

      • beautyjagd sagt am 2. November 2014

        Heute verwirrt ihr mich 😉 🙂 Was für Fotos meinst Du, die erlaubt gewesen wären?

    • beautyjagd sagt am 2. November 2014

      Ja, deutsche Naturkosmetik gilt weltweit als weit fortgeschritten, auch deswegen, weil es sie schon so lange gibt!
      Und für typische Beauty-Behandlungen &Co war ich einfach zu kurz in Hong Kong, ich brauche immer eine Weile, bis sich mein Blick geschärft hat. Typisch chinesisch /hongkongerisch sind wahrscheinlich all die Nahrungsergänzungsmittel, die in unzähligen Shops verkauft werden. Aber noch konnte ich mich nicht zum Essen einer Schwalbennestsuppe durchringen, die ja auch sehr teuer ist… – aber eben auch sehr typisch für die Steigerung der inneren Schönheit.
      Apropos Nachtigallen Poo – ich bin verwirrt, sowas hatte ich nie im Gesicht, oder was meinst Du damit 🙂 ?

      • Nee, aber ich hätte das schon ganz gerne mal gesehen, bloss nicht in meinem Gesicht. Aber du bist ja sehr experimentierfreudig (Ei in Tee, brrr) …

      • beautyjagd sagt am 2. November 2014

        Haha, wer weiß, was ich noch alles probiere, ich hoffe, ich wwar nicht das letzte Mal in Hong Kong – ich seh schon, es gibt Interesse daran, dass ich wilde Dinge teste 😉 🙂

  3. keimonish sagt am 2. November 2014

    Hallo liebe Julie, Willkommen zurück in D 🙂 Ich möchte Dir auch danken, für Deine Reiseeindrücke.

    Bei den Demo`s bzw. der „Revolution“ wundert es mich, dass fast nur Studenten beteiligt sind, wo doch die Wahlen 2017 alle betreffen. (das ist doch das Hauptanliegen ?!) Bleibt abzuwarten, ob es dann nun doch noch richtige freie Wahlen werden oder die Kandidaten „vorsortiert“ bzw. bei „Nichtgefallen“ gar nicht auf die Wählerliste kommen.

    ich wünsche auch einen schönen und sonnigen Sonntag 🙂
    lG

    • beautyjagd sagt am 2. November 2014

      Die Studenten sind sicher die Hauptinitiatoren, aber nach meinen Eindrücken waren rund um die Zeltlager eigentlich viele unterschiedliche Leute unterwegs, zB auch die Chinesen vom Festland, die zum Shoppen nach Hong Kong kommen. Und auch ältere Menschen habe ich gesehen, oder christliche Gruppen, die um die Glaubensfreiheit fürchten, wenn der Einfluss Chinas in Hong Kong größer wird. Ich hoffe, Deine Tochter ist auch wieder wohlbehalten zurück 🙂

      • keimonish sagt am 2. November 2014

        ja, 🙂 wohlbehalten und gesund, ohne Streik auf der Rückfahrt und auch mit allen Koffern (die zwischendurch mal 2 Tage weg waren… beim Ortswechsel:-/ )

        Übrigens: sie hat beim Anblick der Zelte zuerst gedacht, dort wäre eine Verkaufsausstellung für Zelte oder so etwas ähnliches bevor sie mitbekam, worum es wirklich ging 😉

  4. Ich kann mich meinen Vor-Kommentatorinnen nur anschließen. Vielen Dank, dass du uns mitgenommen und einen Einblick in diese fremde Großstadt gegeben hast. Naturkosmetisch kann Hongkong ja nicht so ganz überzeugen, aber das macht garnichts. Interessant waren deine Berichte trotzdem. Deine neue Kooperation gefällt mir auch wieder gut 🙂

    • beautyjagd sagt am 2. November 2014

      Das freut mich mit der neuen Kooperation 🙂
      Und ein bsischen Naturkosmetik aus Hong Kong wird noch kommen, wenn ich die Gründerin von Beyorg vorstellen werde!

  5. Wie spannend es ist, einen solchen Teil der Weltgeschichte zu erleben. Der Vergleich mit einer Art Kunstfestival ist ja hübsch.

    • beautyjagd sagt am 3. November 2014

      Ich war erstaunt, weil ich das irgendwie nicht erwartet hatte, bei uns sind Demos irgendwie aggressiver und phantasieloser…

  6. Johanna sagt am 4. November 2014

    Danke für diesen eher politischen Einblick, finde ich sehr interessant! Die Art der Demonstration scheint ja etwas phantasievoller zu sein als bei uns, ein Forum, auf dem man seinen Protest auf verschiedene Art und Weise ausdrücken kann, auch die „Prediger“ klingen interessant. Besser, als wenn man immer nur in eine Fernsehkamera schreit…

    • beautyjagd sagt am 4. November 2014

      Ich habe leider letzlich viel zu wenig Vergleichsmöglichkeiten, aber mein Eindruck war es, dass Proteste in China schon ganz anders als bei uns hier ablaufen… genau deswegen war es auch so spannend, vor Ort zu sein!

Kommentare sind geschlossen.