Branche International Naturkosmetik

Neue Rohstoffe und Beauty-Trends auf der In-Cosmetics Global 2018 in Amsterdam

In-Cosmetics 2018 Amsterdam

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Vor genau zwei Wochen war ich auf der In-Cosmetics Global in Amsterdam unterwegs und habe mich auf die Suche nach interessanten Rohstoffen und spannenden zukünftigen Kosmetiktrends gemacht. Einige davon werde ich euch hier nun vorstellen, wobei es natürlich unmöglich für mich war, alle Stände der insgesamt über 800 Aussteller zu besuchen.

Auch wenn ich übergreifend nach Beauty-Trends Ausschau gehalten habe, habe ich mich letztlich auf Rohstoffe aus dem Bereich Naturkosmetik konzentriert. Insgesamt hatte ich auf der Messe jedoch den Eindruck, dass ganz schön viele der ausstellenden Firmen ihre „grünen“ Inhaltsstoffe in den Vordergund gestellt haben – Naturkosmetik ist eben ein Mega-Trend (und hoffentlich mehr als das). Wie ich die Tage auf der Rohstoff-Messe verbracht habe, habe ich bereits in meinem Amsterdam-Tagebuch beschrieben.

Das Mikrobiom der Haut

Zuerst möchte ich auf ein paar ausgewählte Trends eingehen, die mir auf der In-Cosmetics immer wieder begegnet sind. Sehr präsent an Ständen und auch bei Workshops war das Thema Mikrobiom: Wie kann man die Hautflora in ihrer Funktion unterstützen, so dass die Haut gesund und widerstandsfähig ist? Zur durchaus komplexen Zusammensetzung der Mikroroganismen auf der Haut laufen gerade viele Forschungen, pro- und präbiotische Inhaltsstoffe stehen dabei im Mittelpunkt. Die Firma Givaudan stellte z.B. den Rohstoff Yogurtene Balance vor. Weitere Beispiele dafür sind Biotylis von Greentech, Ecobiotys von Silab oder Actibiome von Codif (Codif hat sogar einen großen Workshop zum Thema gesponsert, der mich auch interessiert hätte).

Blue Light

Der Schutz vor Blue Light war auf der In-Cosmetics ebenfalls Thema. Im letzten Jahr habe ich hier auf dem Blog bereits über das Gesichtsöl 3in1 von Annemarie Börlind geschrieben; es enthält das Antioxidant Lutein aus der Tagetes, das die Fähigkeit hat, blaues Licht z.B. von Bildschirmen zu absorbieren. Auf der In-Cosmetics sind mir weitere pflanzliche Extrakte aufgefallen, die gegen Blue Light wirken: Oben auf dem Foto seht ihr Blue Oléoactif von Hallstar (aus Reis); außerdem entdeckte ich Energinius von Gattefossé (aus Ginseng), Alpha-Lupaline von Expanscience (aus Weizenkeim und der Lupine), Marine Bamboo TG von DKSH (aus Alge) und Sakadikium von Seppic (aus der Wurzel der Schmetterlingslilie, eine Ingwerart).

Kleiner Zwischeneinschub an dieser Stelle: Sowohl beim Thema Mikrobiom als auch beim Blue Light fällt immer wieder auch das Stichwort Anti-Pollution (Schutz vor Umwelteinflüssen). Die Firma Inovapotek hat dazu neue Methoden entwickelt, um diese Effekte messbarer zu machen – auf der In-Cosmetics stellen ja nicht nur Rohstoffhersteller, sondern auch Dienstleister der Kosmetikbranche aus.

Sebum regulieren

Sebum zu regulieren klingt vielleicht nicht so aufregend wie Mikrobiom, Anti-Pollution oder Blue Light, aber der Bedarf bei den Kunden ist da: Es geht um Inhaltsstoffe in der Hautpflege, die das Sebum regulieren und damit gegen übermäßigem Glanz auf der Haut wirken. Ganz hip betitelt wurde der Rohstoff Oiless’City von Lucas Meyer Cosmetics (aus der Zitronenmyrte), versehen mit dem Hashtag #selfieready. Die Firma Rahn hat mit dem Rohstoff Seboclear MP (aus einem Maulbeergewächs gewonnen) den Best Active Ingredient Award in Silber gewonnen; der Wirkstoff soll dazu eine Retinol-ähnliche Wirkung haben. Acnylis von Greentech setzt auf die Beeren der Rosenmyrte, um der Haut Impulse zu geben, nicht zu viel Sebum zu produzieren und damit auch für reinere Haut zu sorgen.

Natürlicher Ersatz für Silikone & Co

Auffällig auf der Messe waren für mich auch die vielen Rohstoffe, die einen natürlichen Ersatz für Silikone, kationische Emulgatoren oder synthetische Filmbildner darstellen. Teilweise sollen sie sogar bessere Eigenschaften als die synthetischen Vorbilder aufweisen. Emulsense von Inolex ist ein zertifizierter kationischer Emulgator, der für Haarspülungen geeignet ist. Außerdem bietet die Firma Inolex mit Lexfilm SunNatural einen natürlichen Filmbildner für Sonnenschutzprodukte an (um die Partikelchen gut zu verteilen und gleichzeitig einen hohen Anwendungskomfort zu erzielen). Eine natürliche Version von flüchtigen Silikonen (z.B. bei für Makeup-Produkte) hat auch die japanische Firma Nagase mit ihrem flüssigen Wachs Esterol im Programm.

Nach diesen vier Trends gibt es nun noch eine Auswahl an Rohstoffen, die mir ins Auge gefallen sind – und die interessante Weiterentwicklungen der Naturkosmetik in Aussicht stellen:

Mineralische Sonnenschutzfilter EnhanceU von ADP Cosmetics

Die Ansprüche an mineralische Sonnenschutzfilter sind hoch: Sie sollen keine Nano-Partikel enthalten und wenig weißeln, zugleich aber das volle Spektrum an UV-Strahlung abdecken und dazu auch stabil sein. Bei der spanischen Firma ADP Cosmetics war ganz schön viel am Stand los, als ich mir die verschiedenen mineralischen Sonnenschutzfilter erklären ließ – neue mineralische Sonnenschutzfilter sind ganz offensichtlich gefragt (deswegen war ich ja auch da 😉 ). Durch ein spezielles patentiertes Verfahren werden die Partikelchen in EnhanceU von ADP Cosmetics so verteilt, dass ein höherer Sonnenschutz ohne Nanopartikel und weniger Mengeneinsatz an Partikeln möglich ist. Ummantelt werden die Partikelchen mit Siliciumdioxid.

Antioxidant StoppOx von All Organic Treasures

Jetzt kommt eine Preview, denn dieser Inhaltsstoff ist erst ab Juni erhältlich! Wie kann man ein pflanzliches Öl besser vor Oxidation schützen, fragte sich die Allgäuer Firma All Organic Treasures. In Zusammenarbeit mit Dr. David Hauck entwickelte die Firma deswegen den Rohstoff StoppOx. Das natürliche Antioxidant schützt Öle, Emulsionen, aber auch Parfüms effektiv vor Oxidation. Die Wirkung von StoppOx soll nicht nur das übliche Vitamin E um Längen überragen, sondern auch deutlich besser als das synthetische Antioxidant Butylhydroxytoluol (BHT) sein. Die Cosmos-Zertifizierung ist gerade am Laufen.

Ruby Red von Biolie

Als eine nicht-synthetische und vegane Alternative zum roten Farbstoff aus Karmin präsentierte sich Ruby Red von Biolie – denn eine stabile rote Färbung ohne Karmin zu erreichen, ist bislang gar nicht so einfach. Das Start-Up aus Frankreich extrahiert mit Enzymen Pflanzenstoffe; Ruby Red wird dabei aus der Schminkwurz (Alkanna tinctoria) gewonnen.

Cosmetic Bioglitter Pure von Roland Britton

In der Makeup-Zone der In-Cosmetics ist mir der Bioglitter Pure von Roland Britton aufgefallen. Das britische Unternehmen hat damit einen Gold Award auf der Messe gewonnen – leider ist mein Foto davon nichts geworden. BioGlitter Pure ist zu 100% biologisch abbaubar und plastikfrei, hergestellt wird der Glitter aus nachwachsenden Rohstoffen (Cellulose aus Eukalyptus). Erhältlich ist der Bioglitter Pure ab September 2018.

MossCellTec No. 1 von Mibelle Biochemistry

Gleich am Eingang der In-Cosmetics fiel mir das große Plakat auf, auf dem der neue Rohstoff MossCellTec No.1 von Mibelle Biochemistry beworben wurde. Dem musste ich natürlich nachgehen, und deshalb habe mir einige Informationen dazu schicken lassen – denn der Wirkstoff aus Moos hat auf der In-Cosmetics durchaus Aufmerksamkeit erregt und den Gold Award im Bereich Best Active Ingredient abgeräumt. MossCellTech No.1 soll die Zellkern-Vitaliät erhöhen, damit die Haut sich besser an klimatische und urbane Belastungen anpassen kann – wie es das Moos Physcomitrella patens seit vielen Millionen Jahren tut. Mibelle Biochemistry spricht hier von einem neuen Anti Aging-Ansatz.

Glucohyami von Alban Muller

Gleich noch ein interessanter Wirkstoff! Die französische Firma Alban Muller spezialisiert sich bereits seit 1978 auf natürliche Rohstoffe und ist Experte im Bereich pflanzliche Rohstoffe. In diesem Jahr wurde auf der In-Cosmetics der neue Rohstoff Glucohyami von Alban Muller gezeigt: Der konzentrierte Extrakt aus der Zichorienwurzel ist reich an Glucosaminen und regt die Haut an, selbst Hyaluronsäure zu bilden – und ihr diese nicht einfach von außen als „fertige“ Hyaluronsäure zuzuführen. Solche Konzepte zur Selbsthilfe der Haut finde ich ja immer sehr spannend.

Kahai Oil

Selbstverständlich gab es auf der In-Cosmetics auch klassische Rohstoffe wie pflanzliche Öle zu sehen! Am Sammelstand einiger südamerikanischer Länder habe ich z.B. das gerade im Trend liegende Kahai Oil aus Kolumbien entdeckt. Dieses linolsäurebetonte Öl aus den Samen des Cacay-Baums Caryodendron Orinocense enthält einen hohen Anteil an unverseifbaren Stoffen, die antioxidativ und entzündungshemmend wirken. Dazu soll Cacay-Öl dreimal mehr Transretinolsäure als Hagebuttenkernöl aufweisen (über Kahai- bzw. Cacay Oil habe ich hier schon mal geschrieben).

Minimalistische Kosmetik

Viele Rohstoff-Firmen unterstützen die Kosmetikhersteller mit Ideen für Rezepturen. Die deutsche Firma Dr. Straetmans ist für ihre alternativen Konservierungssysteme bekannt; auf der In-Cosmetics stellte die Firma aber auch ihr neues minimalistisches Formulierungskonzept vor: Das Labor hat eine ganze Reihe an Naturkosmetik-Rezepturen entwickelt, die mit maximal zehn Inhaltsstoffen auskommen. Damit so eine minimalistische Rezeptur funktioniert, muss jeder Inhaltsstoff sorgfältig ausgewählt werden und möglichst gleich mehrere Funktionen übernehmen. Langweilig sind diese Formulierungen übrigens nicht, sie reichen von Emulsionen über zweiphasige Makeup-Remover bis hin zu Gesichtswasser.

Leaf Mask von Technature

Bei den Pflanzen-Sheet Masks von Technature musste ich natürlich sofort an die beliebte Real Kelp Sheet Mask von Whamisa denken! Die französische Firma Technature hat auf der In-Cosmetics zwei Masken nach einem ähnlichen Konzept ausgestellt: Hier oben seht ihr eine Maske, die aus Pflanzenfasern sowie Kamillen- und Rosenblüten besteht. Man tränkt sie einfach mit einem Gesichtswasser (oder Wasser) und legt sie sich auf das Gesicht. Eine weitere erfrischende Variante dieser Tuchmaske enthält Blätter von Minze und grünem Tee.

Und damit beschließe ich meinen virtuellen Rundgang auf der In-Cosmetics Global. Ich bin gespannt, welche Rohstoffe wir bald in neuen Produkten entdecken können und bin sicher, dass im Bereich Naturkosmetik zukünftig viel passieren wird: Denn mit neuen Rohstoffen ergeben sich neue Produktmöglichkeiten. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass zunehmend mehr Rohstoffhersteller über die Nachhaltigkeit ihrer Inhaltsstoffe nachdenken (z.B. ob ihre Stoffe biologisch abbaubar sind etc.). Ich hoffe, dass dieser Einblick in die Tiefen der Kosmetikindustrie auch für euch interessant war!

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