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Review: The Nature of Beauty von Imelda Burke

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Here you can find an English version of this article.

Nur wenige Tage vor Weihnachten stelle ich hier heute ein Buch vor, das ich mir vor etwa zwei Wochen gekauft habe. Auf Instagram wurde ich bereits gefragt, wie ich „The Nature of Beauty“ von Imelda Burke denn so finde. Beschrieben wird das Buch als ein Guide für die neue Generation der Naturkosmetik, Hautpflege und Makeup.

Einigen von euch könnte der Name der Autorin bekannt vorkommen. Imelda Burke hat 2008 den Londoner Shop Content Beauty Wellbeing gegründet, bei dem ich auch schon öfter bestellt habe. Sie gilt als Expertin und wichtige Persönlichkeit der Naturkosmetikszene in Großbritannien. Zur Naturkosmetik kam sie, als sie sich mit der Salbe beschäftigte, die sie jahrzehntelang gegen eine Hautkrankheit vom Arzt verschrieben bekam.

Was mir sehr gefällt und auch meiner Haltung entspricht: Imelda hält nichts von Angstmacherei oder Verteufelung von konventioneller Kosmetik, aber sie ermuntert ihre Kundinnen (und nun auch Leserinnen) dazu, Fragen zu stellen. Warum sollte man hochprozessiertes Fertigessen ablehnen, dann aber synthetische Inhaltsstoffe auf die Haut geben? Und wie wäre es damit, mal kleinere Unternehmen zu unterstützen? Imelda sieht zudem keinen Gegensatz zwischen Natur und Wissenschaft. Sie betrachtet die lange Erfahrung der Pflanzenheilkunde als eine der größten Stärken der traditionell angewandten pflanzlichen Inhaltsstoffe.

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Schon beim ersten Blick ins Buch fällt auf, dass es wenig bebildert ist – die über 300 Seiten sind vor allem mit Buchstaben gefüllt. Trotzdem ist das Layout modern und ansprechend gestaltet, die Texte sind in gut lesbare Abschnitte unterteilt. Nicht dass wir uns missverstehen: Ich mag Bilder, ich mag großzügige Designs, aber noch mehr mag ich Bücher, die ich nicht nur durchblättere, sondern in denen ich gut recherchierte und lesbare Texte finde.

Worum es in „The Nature of Beauty“ geht: Um Naturkosmetik natürlich! Gleich das erste Kapitel hält sich nicht lange mit theoretischen Abhandlungen auf, sondern geht auf verschiedene Gründe ein, Naturkosmetik zu verwenden. Imelda bietet bereits hier konkrete Tipps für den Umstieg (z.B. mit Bodylotion und Lippenprodukten beginnen) und den Einkauf von Produkten. Ein leichter und praxisorientierter Einstieg ins Buch!

Im zweiten Kapitel erklärt die Autorin kurz und knapp einige Inhaltsstoffe, die sie vermeidet. Darunter befinden sich z.B. Mineralöl und Methylisothiazolinon – grundsätzlich ist ihre Haltung zu den von ihr genannten Stoffen aber eher vorsichtig als kategorisch ablehnend. Dazu gibt sie Hinweise, wie man eine INCI-Deklaration und werbliche Worthülsen entziffert. Interessant finde ich ihre Beschreibung der Unterkategorien von Natur- und Biokosmetik, da geht es dann z.B. um Frischekosmetik oder um Kosmetik aus Lebensmitteln (wie die Linie von May Lindstrom).

Ein Lieblingsthema von Imelda ist ganz offensichtlich die Hautpflege. In den beiden folgenden Kapiteln beschäftigt sie sich mit der Struktur der Haut und Inhaltsstoffen, die die Feuchtigkeit der Haut steigern oder für reine Haut sorgen. Sie listet dafür eine ganze Reihe an Skin Foods (z.B. Aloe Vera, Algen) und Skin Boosters auf. Hier hätte ich mir bei einzelnen Stoffen manchmal ein bisschen mehr Tiefe gewünscht, aber wahrscheinlich würde das den Rahmen des sowieso schon umfangreichen Buches sprengen. Imelda geht übrigens in allen Kapiteln auch immer auf Ernährung sowie Lebensstil ein und stellt Zusammenhänge zwischen Psyche (Stress), Hormonen und Haut her – innere und äußere Beauty sind für sie untrennbar miteinander verbunden.

Der umfangreiche vierte Teil befasst sich dann mit der Pflege für diverse Hauttypen und -zustände. Sie schlägt dafür jeweils passende Inhaltsstoffe vor und unterscheidet z.B. bei trockener Haut zwischen fettarmer und feuchtigkeitsbedürftiger Haut (und bildet weitere Unterkategorien). Ihre Tipps für den Aufbau einer individuellen Pflegeroutine enthalten dabei konkrete Produktempfehlungen. Fast immer sind das allerdings britische, amerikanische und australische Marken, da hätte ich es schöner gefunden, wenn das „Sortiment“ etwas gemischter sein würde.

In den weiteren Kapiteln geht es dann um die Bereiche Makeup (sehr umfangreich, scheint ebenfalls ein Steckenpferd von ihr zu sein), Körperpflege, Haarpflege und Parfüm sowie Aromatherapie. Imelda bleibt übrigens bei ihren Produktempfehlungen vollkommen realistisch: Ihrer Meinung nach ist es momentan kaum möglich, einen haltbaren Lidschatten für Schlupflider mit natürlichen Inhaltsstoffen herzustellen. Auch Beauty-Rituale wie Akupressur, Lymphstimulation oder Gesichtsmassagen sind Themen, ebenso wie wöchentliche Badesessions mit Moor und Salz. Ein Kapitel mit einfachen Basisrezepten für selbstgemachte Kosmetik sowie DIY-Tipps runden diesen Abschnitt ab.

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Höchst charmant finde ich die abschließenden Empfehlungen für den Wechsel von bekannten konventionellen Kosmetikprodukten zur Naturkosmetik: „Love this, try this…“ heißt das Kapitel, in dem die Autorin konventionelle Marken oder Kultprodukte in einer Tabelle listet und sie dann mit naturkosmetischen Alternativen versehen hat. Zwei Beispiele: Wer die Marke Dermalogica mag, könnte mit Suki Skincare glücklich werden. Oder wer den Lippenstift in der Nuance Ruby Woo von M.A.C. vermisst, sollte sich mal Coquelicot von Absolution ansehen. Hier bemerkt man die umfangreiche Marktkennnis der Autorin – und ebenso, dass sie von vielen Kundinnen sicher genau diese Fragen öfter hört.

Spannend ist, worauf im Buch fast gar nicht eingegangen wird: Die verschiedenen Siegel für Naturkosmetik werden lediglich auf der vorletzten Seite des Buches abgebildet. Auch der Bereich Umweltschutz und damit zusammenhängende Themen wie Tierversuche oder Ressourcen von Rohstoffen (z.B. Palmöl) werden nur gestreift. Imelda hat für ihr Buch andere Schwerpunkte gesetzt und widmet sich eher der praktischen Anwendung von Kosmetik – wie man die Haut am besten pflegt und welche Inhaltsstoffe oder Rituale dafür geeignet sind.

Für mich ist dieses Buch eine Art Aktualisierung des amerikanischen Klassikers No More Dirty Looks, der vor einigen Jahren Furore gemacht hat. 2011 habe ich ihn hier auf dem Blog rezensiert, ich weiß noch, wie ich dieses Buch damals verschlungen habe. Es hat mir eine ganz neue Welt an Naturkosmetik-Produkten eröffnet, die ich bis dahin noch gar nicht kannte (z.B. RMS Beauty, das Deo von Lavanila oder Soapwalla, Ilia Beauty oder Vapour). Der Stil von „The Nature of Beauty“ ist nicht so (amerikanisch) pointiert und damit insgesamt etwas nüchterner.

Ich empfehle „The Nature of Beauty“ all denjenigen, die sich einen Überblick über den aktuellen Stand der natürlichen Hautpflege und Kosmetik wünschen. Ein guter Einstieg für Naturkosmetik-Novizen, der jedoch nicht zu oberflächlich ausgefallen und deshalb auch für Fortgeschrittene interessant ist – gerade wegen der anwendungsorientierten Sichtweise der Autorin: Ich war durchaus neugierig darauf zu erfahren, was ein Beauty-Profi wie Imelda Burke für bestimmte Hautbilder empfiehlt.

The Beauty of Nature von Imelda Burke ist im Penguin Verlag erschienen, es ist auf bei Content Beauty Wellbeing für um die 24 Euro erhältlich, außerdem auch bei Amazon, Ebooks oder auch Ebay. Eine Kindle-Version gibt es ebenfalls.

Ich hoffe, meine ausführliche Rezension hat euch einen Eindruck von dieser Neuerscheinung verschafft! Viel Spaß beim Lesen – vielleicht ja an den Feiertagen!

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