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Tokyo Tagebuch 13: Die Raben

raben in tokyo

Zwei Geräusche verbinde ich mit Tokyo: Das akustische Signal der Ampeln, das anzeigt, ob man die Straße überqueren darf („tit tüt, tit tüt, tit tüt“), und das Krächzen der Raben. Die großen schwarzen Vögel fliegen in Schwärmen herum, kreisen über der Stadt, sitzen im Park und scheinen überhaupt recht geschwätzig und schlau zu sein. Ich stelle mir vor, dass die Raben über alles Bescheid wissen, was in Tokyo so passiert, und sich die Neuigkeiten in ihrer Sprache beständig weitergeben. In diesem kleinen Youtube-Video kann man ihnen dabei zuhören.

In Tokyo sollen an die 40.000 Raben leben, manche Ornithologen sprechen sogar von 150.000 Vögeln. Für die Stadtverwaltung sind sie mittlerweile zu einem Problem geworden: Sie picken im Müll herum, verteilen diesen und sorgen zudem für gelegentliche Stromausfälle. Im Shinjuku Gjoen-Park habe ich fasziniert beobachtet, wie ein Rabe sich aus einem herumstehenden Picknick-Korb ein Gebäckstück gepickt hat und damit auf und davon geflogen ist.

Ich habe die Raben übrigens als eindrucksvoll, aber nicht als beängstigend wahrgenommen. Auch wenn es wirklich große Vögel sind! Für mich passen diese Bewohner Tokyos mit ihrem schwarzen Federkleid insbesondere in das stylische Stadtviertel Aoyama, in dem die avantgardistischen japanischen Designer am liebsten Schwarz tragen 😉 .

Und mit diesem Beitrag über die schlauen Raben beschließe ich für dieses Mal mein Tokyo Tagebuch. Hier könnt ihr alle bisherigen Beiträge finden. Ich hoffe, ich habe die Gelegenheit, es zukünftig einmal weiter führen zu können 🙂 ! Habt einen schönen Sonntag!

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41 Kommentare

  1. Petra sagt am 27. April 2014

    Rabenvögel zu beobachten macht mir immer Spaß. Die Bieser sind so pfiffig!
    Und auch wenn sie mir manchmal lästig sind, so ringen sie mir doch immer auch Respekt für ihre Finesse ab. So wie Kalle, die Nebelkrähe an meinem Bürofenster. Alljährlich kämpfe ich mit ihm um das Vogelfutter. Mittlerweile habe ich ein Futterhäuschen, das weder für Krähen noch für Tauben zugänglich ist (die Piep-Show). Aber beim Meisenknödelhalter ist er Gewinner. Auf dem glatten dünnen Metallhaken kann sich eigentlich kein Vogel halten. Mir ist bis heute ein Rätsel, wie er es hinbekommt, jeden Abend mit dem kompletten Meisenknödel zu verschwinden

    • beautyjagd sagt am 27. April 2014

      Die Raben sind enorm schlau! Ich habe gelesen, dass die Stadtverwaltung in Tokyo die Nester der Raben entfernt, um die Anzahl der Raben einzudämmen. Und was machen die Raben? Sie legen mittlerweile Fake-Nester an! Es ist unglaublich.

  2. Daniela aus Berlin sagt am 27. April 2014

    Ach, ich mag Dein Tokyo-Tagebuch wirklich sehr….ich liebe Raben….nächste Woche gebe ich eine Tierparty, zur der jede/r als ihr/sein Tier-Alter-Ego kommen soll….überlegte erst mich als Rabe zu verkleiden: jetzt ist es aber doch der Fuchs geworden!
    Als was für ein Tier würdest Du Dich verkleiden, liebe Julie? Und Ihr, werte Mitleser_innen?

    • Ellalei sagt am 27. April 2014

      Daniela, das ist eine gute Frage. Was ist mein tierisches Alter-Ego? Vom Sternzeichen her müsste ich als Löwe kommen und Katzen im Allgemeinen liebe ich auch wirklich abgöttisch. Da halte ich es wie Loriot mit den Möpsen.
      Allerdings habe ich die Eigenschaften von Katzen nicht – ich sage nur Geschmeidigkeit und Geduld… Aber zickig, wie meine kleine Ella bin ich und heiß auf’s Essen wie mein großer Enno. Und den Rest kann ich vielleicht noch lernen 😉

      Julie: Dein letzter Tagebucheintrag (für’s erste) ist wieder einmal ein wundervolle Einblick in DEIN Tokyo. Die großen schlauen Vögel in der großen lauten Stadt – das passt. Hier sind es ja die Tauben, die ich persönlich auch überhaupt nicht als nervig empfinde, wie viele andere und die man seitens der Verwaltung gerne loswerden möchte.
      Ich bin ja immer mehr für Tiere als für Menschen, auch wenn das blöd klingt. Wir haben uns so breit gemacht, da müssen wir einfach akzeptieren, dass sich die Tiere den Ihnen zur Verfügung stehenden Lebensraum erobern, auch wenn wir meinen, er gehöre uns. Diese Arroganz ist mir oft sehr peinlich und ich habe das Gefühl, mich auch bei den Tauben entschuldigen zu müssen. Ganz abgesehen vom mordlüsternen Umgang und unnötigen Quälereien… aber das ist eine andere Geschichte. Deine Raben und unsere Tauben haben einen festen Platz in den Metropolen, in IHREN Metropolen.

      Einen gemütlichen Sonntag noch!

      • beautyjagd sagt am 27. April 2014

        Ich mag die Tauben auch! Und ich kann deine Worte zu Tier und Mensch nur unterschreiben und musste an den Garteninhaber im Allgäu denken, der bei der Frage nach der Schneckenplage geantwortet hat, dass es die Menschen ja so gar nicht leiden können, wenn sich Tiere genauso aufführen wie die Menschen (also alles kahl fressen). Und letztlich geht der Mensch noch viel rücksichtsloser vor…

    • beautyjagd sagt am 27. April 2014

      Mh, nach Tokyo hätte ich auch einen Raben in die engere Auswahl gezogen. Meine erste Idee wäre wahrscheinlich ein Waschbär, mit denen habe ich es einfach – und die sind auch äußerst gewitzte Tiere, ähnlich wie die Raben. Interessante Frage 🙂

    • Was für eine schöne Idee, ich war mal auf einer Sternzeichenparty und bin als mein Sternzeichen, Widder gegangen ich hatte eine super Zottelpelzjacke und habe total geschwitzt und auch mein Geweih kam mir ständig in die Quere 😉
      Zu deiner Tierparty fällt mir spontan Eichhörnchen ein, ich sehe von meinem Küchenfenster aus, wie sie geschickt und flink immer von Baum zu Baum hüpfen, das gefällt mir, manchmal kommt auch eins auf meinen Balkon. Aber das Kostüm wäre auch wieder partyunkomfortabel. Da ich mich für Insekten interessiere, würde ich vielleicht als Grashüpfer kommen… Dir viel Spaß bei der Party!

  3. Raben finde ich auch extrem lustig, meine inzwischen schon lange verstorbene Großmutter ist mal von einem Raben – auf einer Bank sitzend und strickend – von einem Raben attackiert worden, der es auf die schön blinkenden Stricknadeln abgesehen hatte.
    Vor Tauben, die einem in den Städten vor den Füßen rumflattern, kann ich mich allerdings entsetzen. Hier an der Küste haben wir auch ein immer größer werdenes Möwenproblem. Trotz Verbot füttern immer noch viele Touris die Tiere. Im Winter bin ich mein Fischbrötchen an mehrere dieser Kleptoparasiten losgeworden, das war eine regelrechte Angriffswelle von vier Möwen.
    Daniela: Mit der Tierparty hast Du eine originelle Idee für eine Mottoparty! Wahrscheinlich käme ich als Miss Piggy, da ich dieses Schweinchen mag und die Verkleidung relativ einfach zu bewerkstelligen wäre.

    • Petra sagt am 27. April 2014

      Füttern ist wohl ein bisschen hoch gegriffen, die meisten füttern die Möwen – ähnlich wie du selbst – eher unfreiwillig. Mich erinnert jedenfalls jeder Spaziergang mit Snack in der Nähe einer Hafenmole an „Findet Nemo“ http://www.youtube.com/watch?v=-s6sQnog6sk.

    • beautyjagd sagt am 27. April 2014

      Als so angriffslustig wie manche Möwen habe ich die Raben in Tokyo nicht empfunden – aber ich habe davon gelesen, dass sie auch schon mal Menschen attackiert haben, allerdings selten.

  4. Entschuldigung- ich nochmal und komplett am Thema vorbei:
    Habe heute morgen im Bad beim Aufräumen das Sonnenöl LSF30 (MHD 09/15) und Sonnengel LSF30 (MHD 01/17) von Eco gefunden, Eigentlich hatte ich gedacht, ich hätte es im Winter schon weggeschmissen. Leider vertrage ich beides nicht, ich würde die beiden Produkte deshalb gerne in „liebevolle Hände“ abgeben. Geld möchte ich keines dafür. Beide Produkte sind noch fast voll. Voraussetzung wäre natürlich, dass Du Julie, bei Interesse nochmals die Email-Adresse weiterleiten würdest.

      • *meld* 😉
        Ich hätte großes Interesse an den beiden Produkten, wenn mir noch keine(r) zuvorgekommen ist.

      • beautyjagd sagt am 30. April 2014

        Du bist die erste, ich schicke Dir gleich mal die Emailadresse von Alex 🙂

  5. In einer Doku hatte ich mal gesehen, dass Raben und Affen neben dem Menschen die einzigen Lebewesen seien, die dazu in der Lage sind, Werkzeuge zu benutzen. Gezeigt wurde dann ein Rabe, dem in einem kleinen Plastikrohr Leckerchen angeboten wurden. Er kam natürlich so nicht an diese ran. Er suchte sich dann einen Stock und stocherte damit im Rohr rum, bis er dann irgendwann die Leckerchen bekam…. fand ich schon überraschend!

    • beautyjagd sagt am 27. April 2014

      Raben erkennen sich ja auch im Spiegelbild – überhaupt habe ich den Eindruck, dass sie mehr wissen und können, als wir Menschen es ahnen!

    • Waldfee sagt am 27. April 2014

      So eine Doku habe ich auch schon gesehen. Der Rabe hat sich einen Metallstab zurechtgebogen und damit ein kleines Eimerchen mit Leckerchen am Henkel rausgefischt. Beeindruckend! Es ist immer der Mensch, der denkt, er wäre klüger als die Tiere.

  6. Birgit sagt am 27. April 2014

    Raben mag ich auch sehr gern. In einer Dokumentation habe ich viel über die Intelligenz der Tiere erfahren. Es sollen auch die einzigen Vögel sein, die spielen und Erlerntes weitergeben können.
    Zu einer Tierparty würde ich als Katze gehen, allerdings stelle ich mir mich in einem kuscheligen Polyacryl-Fellanzug doch etwas strange vor, vielleicht dann doch eher ganz in schwarz als Rabe.

    • beautyjagd sagt am 28. April 2014

      Ich trage ja im Alltag viel (fast nur) Schwarz, da würde mir die Verkleidung als Rabe für eine Party nicht schwer fallen 😉

  7. Ich hoffe auch auf eine Fortsetzung deines Tokyo-Tagebuchs. Ich werde es jetzt erst mal wieder vermissen. Es waren wieder interessante Eindrücke die du mit uns geteilt hast. 🙂

  8. Annamo sagt am 28. April 2014

    Raben gehören neben Katzen auch zu meinen Lieblingstieren; ich könnte sie stundenlang beobachten.
    Und zu den „Tauben-Mögern“ gehöre ich auch- noch mehr, seit mich letzten Sommer eine Frau in der Stadt angeschrien (!) hat, ich solle mich schämen und es sofort unterlassen, „diese Pest auch noch zu füttern“ – mein damals eineinhalbjähriger Sohn hatte einer Taube ganz verzückt ein Stückchen Brezel zugeworfen. Dem Zwerg zuliebe habe ich recht verhalten reagiert, ich wär aber liebend gerne ausgeflippt. Ja, ja, Tauben können Krankheiten übertragen (wer kann das nicht?) und sicher ist es nicht schön, wenn die Tiere alles mit ihren Hinterlassenschaften verzieren, aber wenn ich dann auf so eine selbstherrliche, hasserfüllte Tante treffe, schäme ich mich auch, ein Mensch zu sein.

    • beautyjagd sagt am 28. April 2014

      Mich wundert vor allem dieser Hass – wir Menschen führen uns wahrlich auch nicht gerade vorbildlich auf, was unsere Umwelt angeht…

  9. Ein schöner Abschluss deines Tokyo-Tagebuchs! Wobei ich natürlich hoffe, dass der Abschluss nur vorübergehend ist und du ganz bald wieder hinreisen kannst. 😉

    Tokyo, die Stadt der Raben, das finde ich klasse. Raben sind tolle Tiere, wir haben bei uns u. a. im Wildpark welche – wenn die einen anschauen, meine ich immer, dass die definitiv mehr wissen als wir Menschen. Außerdem haben sie so tolles Gefieder. Eine schwarze Feder, die ich mal im Wald gefunden habe, steckt in einem meiner Blumentöpfe (ich meine, dass sie von einer Krähe stammt, davon gibt es hier auch relativ viele).

    Liebe Grüße,
    Ida

    • beautyjagd sagt am 28. April 2014

      Ja, die Augen von Raben, die wirken auf mich höchst wach und intelligent! Und ich habe gegooglet, dass Krähen und Raben eigentlich eine Sorte sind bzw. kaum zu unterscheiden. Bin etwas verwirrt deswegen, aber die Japaner sprechen auch von Rabe, und nicht von Krähe.

  10. Ich liebe Raben und habe immer eine riesige Freude, wenn ich einen beobachten kann. Diese Vögel sind total kraftvoll, mutig, intelligent und weise. Sie haben mich sosehr beeindruckt, dass ich mir vor bald vier Jahren einen grossen Raben tätowieren lassen habe 🙂

    • beautyjagd sagt am 28. April 2014

      Oh, dann bist Du ja wirklich eine große Rabenliebhaberin 🙂 🙂

      • Und wie! Ich bedaure zutiefst, dass diese Wesen einen so schlechten Ruf haben. Und ich liebe es in den Mythen der ganzen Welt zu stöbern, um immer wieder auf die Raben und ihre Bedeutung zu stossen 🙂

  11. Johanna sagt am 28. April 2014

    Oh wie schade, der letzte Bericht aus Tokio! Ich habe die Posts sehr sehr gerne gelesen, auch wenn ich mich in den letzten Wochen nicht zu Wort gemeldet habe. Im Moment habe ich sehr viel zu tun und das wird den ganzen Sommer bis Studiumsende auch so bleiben.
    Raben versetzen mich übrigens immer eine etwas düstere Schauerstimmung, das liegt wahrscheinlich an dem Gedicht von Edgar Allan Poe. Das heißt natürlich nicht, dass ich die Tiere nicht mag. Wann immer mir tierische Stadtbewohner über den Weg laufen, beobachte ich, wie sie in dieser feindlichen Umgebung klarkommen – dafür muss man einfach eine gewisse Intelligenz besitzen.

    • beautyjagd sagt am 28. April 2014

      In Europa sind Raben ja oft mit Schauerstimmung verbunden. In japanischen Shintoismus gelten sie dagegen als Götter und werden deswegen eigentlich hoch geachtet.

  12. Fayet sagt am 29. April 2014

    Vielen Japaner haben Angst vor Raben, weil sie zwar als Götter gelten, aber oft als Unheilsboten angesehen werden. Jedenfalls habe ich das mal so gelernt. In Tokyo sind mir die Raben damals vor allem in den Schreinen und den sie oft umgebenen Parks aufgefallen, aber das hatte ich ganz vergessen. Jetzt wo Du es sagst..

    Mir hat übrigens ein Rabe vor kurzem tatsächlich etwas aus meiner offenen Tasche gestohlen! Die Tasche, eine Umhängetasche, stand geöffnet auf einer Bank im Sommerdojo, also im freien, während wir unsere jährliche „Samu“-Gartenarbeit verrichtet haben (traditionelle japanische Hobbies bringen oft mehr Nebenarbeit mit sich als man denkt. Wer Bogenschießen will muss putzen und gärtnern, und nebenbei noch handwerkliche Begabung entwickeln. Wenn ich das vorher gewusst hätte.. ) Der freche Vogel hat tatsächlich meine halbe Tasche ausgeräumt und ist dann mit einer Büroklammer davongeflogen. Zum Glück hat er meinen Schlüsselbund dagelassen!

    • beautyjagd sagt am 30. April 2014

      Eine Büroklammer? Zu was die der Rabe wohl nimmt? In Tokyo bauen die Raben ihre Nester zum Teil aus den Drahtkleiderbügeln, die man in Reinigungen bekommt.

  13. Schneizel sagt am 9. Mai 2014

    Ach ich mag Krähenvögel sehr – die lieblichen Stimmchen, die Schläue und wie sie übers Gras hüpfen. Manchmal legen die Nebelkrähen hier auf meinem Balkon ab und zu mal ihr Futter ab, wenn sie noch irgendwas anderes zu erledigen haben – letztes Jahr lag auch mal ein halbes Brathuhn im Blumenkasten, nur leicht abgenagt. Aber zum Glück kommen die Vögel in der Regel bald zurück und räumen auf, sehr rücksichtsvoll.

    • Petra sagt am 9. Mai 2014

      Das ist aber nett, dass sie dir dein Mittagessen gleich einfliegen 😉

      • Schneizel sagt am 9. Mai 2014

        Danke, ich hatte schon gegessen. *würg* Aber trotzdem. Solange sie aufräumen…

    • beautyjagd sagt am 9. Mai 2014

      Lieblich und rücksichtsvoll *lach* – natürlich haben die Raben noch was zu tun, bei denen ist auch den ganzen Tag was los!

      • Schneizel sagt am 9. Mai 2014

        Klar! Raben sind extrem beschäftigt. Den Boss machen auf dem Peitschenmast, rumhüpfen und dabei kekkern, — das stresst, dabei muss das Fressen warten.

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