Inspiration International Naturkosmetik

Drei Beauty-Tipps aus dem alten Japan

utagawa kunisada

Here you can find an English version of this article.

Am Wochenende war ich im Ota Memorial Museum of Art, einem Museum in Tokyo, in dem ausschließlich japanische Farbholzschnitte ausgestellt werden. Ich mag das Museum sehr, weil es übersichtlich ist (mehr als eine Stunde braucht man für den Besuch nicht), alle ein bis zwei Monate wird eine neue Ausstellung präsentiert.

Die momentane Präsentation widmet sich dem Künstler Utagawa Kunisada, der von 1786 bis 1864 gelebt hat. Er ist für seine detaillierten Alltagsdarstellungen der damaligen Zeit bekannt, die Ausstellung trägt deswegen den Untertitel „Japanese Fashion and Lifestyle“: Kunisada zeigt auf seinen Holzschnitten Frauen im Alltag, im Laufe der Jahreszeiten, zu Hause, bei der Arbeit und in der Freizeit – und selbstverständlich auch beim Schminken, Frisieren und in schöner Kleidung.

Einige Holzschnitte waren mit englischen Erklärungen versehen, besonders interessant fand ich natürlich die Erläuterungen zum Thema Kosmetik. Leider war das Fotografieren im Museum strengstens verboten, die Räume sind abgedunkelt und Blitzlichter würden den empfindlichen Holzschnitten schaden. So kann ich als Foto oben leider nur das Ausstellungsplakat zeigen.

♥ Das erste Mal zückte ich mein Notizbuch, als ich den Makeup-Trend Sasairo-beni entdeckte: Im 19. Jahrhundert war es in Tokyo angesagt, die Unterlippe grün zu bemalen. Wie apart! Ich musste sofort an die jungen Frauen in Shibuya und Harajuku denken, die auch heute ganz selbstverständlich in den abgefahrensten Looks herumlaufen. Das hat ganz offensichtlich Tradition in Tokyo! Hier könnt ihr euch ein Bild von einer Dame mit grüner Unterlippe ansehen. Auf einigen Holzschnitten wurde übrigens für das damals sehr bekannte Gesichtspuder Bien Senjoko geworben!

Für rote Wangen und Lippen wurde das Rouge Beni verwendet: Ein kleines Schälchen aus Porzellan, in dem Farbpigmente von der Färberdistel enthalten sind. Dieses Rouge wird mit etwas Wasser angerührt und dann mit einem Pinsel oder den Fingerspitzen auf Wangen und Lippen aufgetragen. Wie so etwas aussieht, könnt ihr euch hier ansehen. Da dieses Rouge sehr teuer war (und ist), wurde es oft mit schwarzer Tinte als Grundierung verstärkt. Von der Kyotoer Marke Yojiya, von der ich immer meine Blotting Paper kaufe, gibt es sogar noch so ein Beni! Ich habe mit Mühe widerstanden, es zu kaufen (und es erinnerte mich ein bisschen an das marokkanische Aker Fassi).

♥ Auf einem weiteren Holzschnitt wurde dargestellt, wie Frauen zur Edo-Zeit ihre Haare gewaschen haben. Etwa einmal in der Woche wurde dafür Funori, eine Art Algenleim, zusammen mit Weizenmehl und heißem Wasser vermischt und das Haar unter Zuhilfenahme eines Kamms damit gereinigt. Gar nicht so weit weg vom heutigen alternativen Haarewaschen mit Roggenmehl, oder?

Neben den wunderschönen Kimonos und aufwendigen Hochsteckfrisuren gefiel mir auf den Bildern noch die Darstellung einer Dame, die sich im Winter etwas wärmen möchte: Sie steckte dazu einfach eine schlafende Katze in das obere Teil ihres Kimonos, die sich hingebungsvoll um ihren Hals schmiegte 🙂 .

Mich interessieren solche Details aus dem Alltag ja sehr! Die Ausstellung hat mich inspiriert, mich wieder mehr mit traditionellen Schönheitsritualen zu beschäftigen, gerade da sie ja oft naturkosmetisch sind. Geht ihr öfter in Museum? Welcher der drei Tipps hat euch am meisten fasziniert? Erfahrt ihr gern von traditioneller Beauty? Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Post etwas in die Ausstellung mitnehmen!

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11 Kommentare

  1. Petra sagt am 14. April 2016

    Hehe, ich stelle mir gerade die Empörung meiner Mieze vor, würde ich sie mir ins Dekolleté stopfen ? Autsch!!!

    Das mit der grünen Unterlippe ist schon strange, aber so ähnliche Farben gibt’s ja auch bei Axiolity. Cool finde ich das grüne Puder, das beim anfeuchten rot wird, da meldet sich wieder das Spielkind…

    Danke für diese spannenden Einblicke!

    • beautyjagd sagt am 14. April 2016

      Ich musste bei dem Bild auch an die Katze meiner Eltern denken, hihi – es wäre unmöglich (zumindest bei mir), dass ich sie mir ins Dekolleté legen könnte 😉

  2. Ich mag ausgefallene dekorative Kosmetik, also wieso keine grüne Lippen? Danke dir für den tollen Beitrag, ich lese sowas sehr gerne =)

  3. Birgit sagt am 14. April 2016

    Tolle Ausstellung, Alltagsausstellungen begeistern mich auch, überhaupt finde ich Alltagsgeschichte überaus spannend.
    Ich hatte mal einen Kater, den hätte ich mir ins Dekollte legen können. Ihm war nicht klar, dass er Krallen hatte.
    Grüne Unterlippe, warum nicht, ist mal was anderes. Jetzt reizt es mich, es mal auszuprobieren.
    Wünsche dir weiterhin viel Spaß.

  4. Lippen und Wangen bemalen wie im alten Japan?! Hamma.?Sowas hätte ich gern, da es den koreanischen Liptints wohl noch am ähnlichsten ist. Wenn nicht sogar der Ursprung für diesen aktuellen Trend.Alles kommt ja irgendwann mal wieder….
    Und ein weiterer Vorteile wäre, dass ich wüsste das ich tatsächlich Trage. Habs ja auch selbst zusammen gerührt. ?Nur leider bin ich der japanischen Sprache überhaupt nicht mächtig…..daher ist der Link zum Onlineshop für mich relativ nutzlos.
    Aber dennoch ein schöner Beitrag. Bitte künftig mehr zu dem aktuellen und vergangenen Treiben aus dem Land der aufgehenden Sonne.

    • Petra sagt am 15. April 2016

      Versuchs doch mal mit dem Google Translator – manchmal klappt das ganz gut, mindestens aber hast du gut zu Lachen ?

      • Ich hasse den Translator aber, wenn man mal schlecht drauf, dann bringt der mich wieder zum lachen oder Katzenvideos…Ach, Hauptsache süße und tollpatschige Tierbabies. Das wirkt doch immer. XD

  5. Fayet sagt am 15. April 2016

    Der Link zum Rouge Beni hat mich wieder auf eine schöne Reise durchs Internet geschickt. Wunderschön allein die Schälchen, in denen das Produkt verkauft wird, japanisches Design durch und durch in aller eleganten Pracht. Ich bin begeistert! Aber es erstaunt mich sehr, dass Du dir kein Exemplar zugelegt hast – da ich nirgends einen Preis gefunden habe tippe ich einfach mal in die Richtung. 😉

    Ich gehe sehr gerne in Museen, vor allem wenn ich allein reise. Es gefällt mir, mit aller Zeit der Welt durch eine Ausstellung zu schlendern und mir gezielt ein paar Stücke anzuschauen, die mir gefallen. Mit Freunden macht es aber natürlich auch Freude, nur darf man sein eigenes Tempo dabei ja leider nicht ausleben. In Frankfurt wird gerade die „Maniera“-Ausstellung gezeigt, Kunst aus dem Florenz der Renaissance – sie steht bei mir gerade sehr hoch im Kurs, und wird demnächst besucht. Ich freue mich schon auf die dargestellte Schönheit – Stoffe, Schmuck, Haare, herrlich.

    Wie die meisten Leserinnen hier hätte übrigens auch mein Hals es nicht überlebt, wenn ich mir meine Katze umgelegt hätte – die Dame hatte eigene Vorstellungen von körperlicher Selbstbestimmung, danke schön. Miau!

    • beautyjagd sagt am 15. April 2016

      Genau, es war der Preis und die anstehende Reise nach Seoul, die mich vom Kauf angehalten haben: So ein Beni kostet 12.000 Yen, das sind ja über 100 Euro. Aber vielleicht das nächste Mal ?. Und Ausstellungen besuche ich auch am liebsten allein, eben wegen des individuellen Tempos.

      • Fayet sagt am 15. April 2016

        Nachdem ich meinen Kommentar geschrieben habe war ich zügig auf der japanischen Website oder habe mich da durchgeklickt – und umgerechnet. Hu! Das hätte ich wahrscheinlich auch nicht gemacht.

        …aber Du kommst ja öfter nach Tokyo, nicht wahr? 😉

  6. diealex sagt am 18. April 2016

    Ich liebe solche kleinen Szenen, vielen Dank für’s Mitnehmen ins Museum! Und total interessant, was für ähnliche Traditionen es länder- bzw. kontinenteübergreifend gibt!
    Viele Grüße, die Alex

Kommentare sind geschlossen.