Gesichtspflege Naturkosmetik

Braucht man wirklich ein Gesichtswasser?

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Here you can find an English version of this article.

Als ich am Wochenende im Bad stand und den Damask Rose Petal Mist von Whamisa aus Seoul genüsslich auf mein Gesicht sprühte, dachte ich mir: Gibt es eigentlich ein Leben ohne Gesichtswasser 😉 ? Für mich nicht mehr!

Früher habe ich Gesichtswasser als lästige Pflicht angesehen, die mir eben von meiner Kosmetikerin ans Herz gelegt  worden ist. So richtig überzeugt war ich aber von so einem Produkt nicht – und tadaaa! Heute ist es tatsächlich mein liebster Schritt in der Gesichtspflegeroutine geworden. Welche Gründe das hat, halte ich in diesem Blogpost einfach mal fest.

Zunächst mal zu all den Wörtern, die für diese wässrige Produkte verwendet werden: Sie werden nicht nur als Gesichtswasser, sondern auch als Toner, Hydrolat, Thermalwassersprays oder in Asien als Essence und Lotion bezeichnet. Die unterschiedlichen Begriffe deuten schon an, dass dieser Produktgruppe durchaus verschiedene Funktionen zugeschrieben werden können.

In Europa betrachtet man ein Gesichtswasser meist als letzten Schritt der Reinigung: Mit einem damit getränkten Wattebausch streicht man nach der Reinigung über das Gesicht. So entfernt man letzte Makeup-Reste, die man danach auch auf dem Pad gut sehen kann. Meist werden klassische Toner als adstringierend oder antibakteriell beschrieben, die Poren sollen damit ein bisschen „zusammengezogen“ werden.

Je nach dem, welche Pflegephilosophie man verfolgt, wird ein Gesichtswasser auch dafür eingesetzt, den pH-Wert der Haut nach der Reinigung zu regulieren. Reinigt man sein Gesicht beispielsweise mit einer Seife oder einem basischen Reinigungsschaum, dann kann man den pH-Wert mit einem Gesichtswasser wieder etwas nach unten regulieren. Hydrolate, also Pflanzen- oder Blütenwasser, sind übrigens meist im sauren Bereich „eingestellt“. Für bestimmte (meist konventionelle) Pflegephilosophien, die mit Fruchtsäuren arbeiten, ist es förderlich, wenn das nachfolgende Pflegeprodukt über einem sauren Gesichtswasser aufgetragen wird.

In Asien haben Gesichtswasser nochmals eine ganz andere Funktion. Dort erfreut sich das Double Cleansing (zweifache Reinigung) mit Cleansing Oil, Reinigungsschaum oder Seife großer Beliebtheit. Ein nachreinigender Toner wird also sicherlich nicht benötigt. Das Gesichtswasser zählt hier deswegen schon zur Pflege, die als Softener eine Portion Feuchtigkeit in die Haut bringen soll. Entsprechend sind die Produkte anders formuliert: Pflegende und feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe sind hier von großer Wichtigkeit!

Die mit dieser Art „asiatischem“ Gesichtswasser auf die Haut aufgebrachte Feuchtigkeit wird dann im nächsten Schritt mit einer Creme, einem Öl oder einem Serum in die Haut eingeschlossen. Denn darum geht es ja: Die Haut soll prall aussehen, nicht trocken und die Hornschicht gut durchfeuchtet sein. Der Mix aus Feuchtigkeit und Lipiden sorgt dafür.

So begreife auch ich den Sinn von Gesichtswasser: Auf meine vorher bereits mit Mizellenwasser und Reinigungsmilch oder -schaum gereinigte Haut sprühe ich das Gesichtswasser (oder verteile es mit den Händen auf dem Gesicht). Ich verwende dafür keinen Wattebausch, um nicht zu viel Produkt zu verlieren. Ich lasse das Gesichtswasser dann nicht antrocknen, sondern trage direkt danach das Öl oder die Creme auf der Haut auf. Wenn ich zu lange damit warte, verfliegt die Feuchtigkeit und kann – je nach Formulierung des Gesichtswassers – die Haut auf diese Weise trockner machen (dann spannt die Haut).

Bleibe ich nachts bei der fettfreien Nachtpflege und trage kein Öl oder Creme auf, dann „presse“ ich das Gesichtswasser sanft mit den Handflächen in die Haut (so mache ich das ja auch mit der wässrigen Nachtkur von Dr. Hauschka). Französische Thermalwasserfirmen empfehlen teilweise, den Überschuss mit einem Wattepad etwas abzutupfen. Kann man auch machen, oder einfach von vorne herein nicht zu viel Produkt verwenden, das Gesicht soll ja nicht tropfnass sein. Auch morgens presse ich übrigens mein Gesichtswasserspray meist ganz leicht für ein paar Sekunden mit den Händen in die Haut ein.

Nun könnte man ja auf die Idee kommen, Leitungswasser für die Befeuchtung der Haut zu nehmen. Allerdings enthält es – statt pflegenden Inhaltsstoffen – meist reichlich Kalk, der gerade für empfindliche Haut nicht ideal ist.

Ich finde es wichtig, dass ein Gesichtswasser nicht nur mit purer Feuchtigkeit und Hydratisierern wie z.B. ein wenig Hyaluronsäure oder Glycerin ausgestattet ist, sondern darin auch zusätzliche Wirkstoffe enthalten sind, die die Haut dazu anregen, Feuchtigkeitsfaktoren (NMF) zu bilden (z.B. mit Aminosäuren, Mineralien, pflanzliche Stoffe wie Algenextrakte etc.). Dann empfinde ich auch ein bisschen Alkohol oder andere in der Naturkosmetik zugelassene Konservierungsstoffe nicht als dramatisch.

Neben all dieser technischen Eigenschaften eines Gesichtswassers liebe ich das sinnliche Vergnügen, das mich jeden Morgen und Abend erfreut: Der leicht kühlende Effekt auf der Haut, der feuchte Sprüh-Nebel im Gesicht, der dezente Duft, die zarten Berührungen – so wunderbar fühlt sich das an, und auch darum geht es ja bei Kosmetik!

> Kurz gesagt für Schnellleserinnen: Gesichtswasser haben für mich nichts mit Reinigung, sondern mit Feuchtigkeit für die Haut zu tun.

Gesichtswasser, die ich mag: Immortelle Gesichtswasser von Primavera und überhaupt grundsätzlich Hydrolate/Blütenwasser wie die von Dabba, So’Bio, Farfalla…; alle Gesichtswasser von Whamisa; Sensitive Toner von Living Nature; La Brume Systémique von Absolution; Nachtkur und Intensivkuren von Dr. Hauschka; The Jasmine Garden von May Lindstrom, Sheabutter Tonic von Martina Gebhardt; Eau Extraordinnaire von Melvita; Gesichtslotion Kamille Borretsch von Primavera; Age Protect Toner von Santaverde; Plumping Radiance Duo Pulpe de Rose von Melvita; Brume Biphase City-Protect von Alorée, Thousand Petal Beautifying Mist von R.L. Linden, Eau Thermal von Jonzac, Rosenblüten Vitalpflege von Annemarie Börlind, Softening Toner Säihke von Mia Höytö, Energetic Facial Toner von Regulat Beauty – und bestimmt habe ich noch so einige vergessen!

Und kleiner Disclaimer zum Schluss: Natürlich kann man auch ohne Gesichtswasser leben, das ist mir schon klar 😉 . Mit dem „Brauchen“ ist es ja sowieso immer so eine Sache. Aber hey, Beauty ist meine besondere Leidenschaft!

So, ich hoffe, dass euch meine Gedanken zum Thema Gesichtswasser ebenfalls auf neue Gedanken bringen und ich mich halbwegs verständlich ausgedrückt habe. Mir hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, sich mit einer Produktkategorie auseinanderzusetzen.

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